JADE/OVELGöNNE - JADE/OVELGÖNNE - „Politisch wache Frauen“ ließen im Jahr 1998 nicht locker und sorgten mit ihrer Hartnäckigkeit dafür, dass die Gemeinde Jade endlich den gesetzlichen Vorgaben nachkam und eine (ehrenamtliche) Frauenbeauftragte bestellte. Zum 1. April 2000 trat die damals 44-jährige Petra Wragge schließlich in die Dienste der Gemeinden Jade und Ovelgönne. Nun hat die Nordenhamerin, die gebürtig aus Haldensleben stammt, überraschend ihren Rückzug angekündigt. Zum 1. Mai gibt sie ihre Tätigkeit in beiden Kommunen auf (die NWZ berichtete).
Wragge hält sich über ihre Beweggründe bedeckt. In wenigen Worten hat sie beiden Verwaltungen schriftlich mitgeteilt, dass die Entscheidung „rein persönlicher Natur“ sei und nichts mit dem Amt oder der Zusammenarbeit mit den Räten und Verwaltungen zu tun habe. Näher kommentieren wollte sie ihre persönlichen Gründe – auch gegenüber der NWZ – nicht. Wragge deutete lediglich an, dass die Entscheidung kurzfristig getroffen wurde, denn noch vor wenigen Wochen wollte sie einen Alleinerziehenden-Treff ins Leben rufen. Ein Beleg dafür, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ans Aufhören dachte.
Petra Wragge hatte regelmäßig in beiden Kommunen Sprechstunden für Frauen angeboten. Daneben bot sie für Mädchen und Frauen thematisch weit gefächerte Fortbildungskurse an und beteiligte sich regelmäßig an Ferienpassaktionen.
Am Herzen lag Wragge zudem die Zusammenarbeit mit anderen Frauenbeauftragten und Institutionen. Insbesondere setzte sie sich für Projekte ein, die sich mit den Problematiken „Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ sowie „Benachteiligung von Frauen und Mädchen“ beschäftigten.
Aufgrund des ehrenamtlichen Status‘ kam die Mutter zweier Söhne in ihrer Funktion als Frauenbeauftragte allerdings auch schnell an Grenzen – sowohl was die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten betraf als auch hinsichtlich der Unterstützung durch Rat und Verwaltung. Denn insbesondere durch die sich stetig verschlechternde Finanzsituation in beiden Kommunen, scheiterte Wragge mehrfach mit Anträgen für die (finanzielle) Unterstützung von Projekte oder Aktionen. Wragge betont aber, dass dies keinen Einfluss auf ihre Entscheidung hatte.
Einen besonderen Akzent hat Wragge mit der Auszeichnung von ehrenamtlich tätigen Frauen gesetzt. Jeweils in Verbindung zum Internationalen Frauentag hat Wragge dadurch das besondere Engagement von Frauen in den Gemeinden Jade und Ovelgönne gewürdigt.
Laut Andreas Bartels, stv. Gemeindedirektor in Jade, streben die beiden Kommunen an, weiterhin eine Frauenbeauftragte für beide Gemeinden zu gewinnen. Erste Gespräche dazu hätten auf Verwaltungsebene bereits stattgefunden.
