Hannover - Wenn die bundesweit größte liberale jüdische Gemeinde am Donnerstag ihr 20-jähriges Bestehen in Hannover feiert, kann sie sich der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit sicher sein. Zu dem Festakt haben sich bereits 440 Gäste angemeldet, mehr als in der „Etz Chaim“-Synagoge Platz haben – deswegen gibt es nun auch eine Leinwandübertragung in einen Gemeindesaal.

Zu dem Festakt am Donnerstag werden der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sowie Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) erwartet.

Liberale jüdische Gemeinden wie die in Hannover wuchsen nach dem Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion in den 90er Jahren an. Ein Fokus des Gemeindelebens liegt auf der Kinder- und Jugendarbeit, betont der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst.

In den Gemeinden gibt es nach dem Wiedererstarken jüdischen Lebens viel Zuversicht, aber auch Sorgen, etwa über wachsenden Antisemitismus und einen Rechtsruck im Land. Katarina Seidler, Vorsitzende des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen, berichtet von Anfeindungen und sagt: „Die große Diskussion ist: Hat das hier eine Zukunft für uns?“

Optimistisch in die Zukunft blickt die Vorsitzende der liberalen Gemeinde in Hannover, Ingrid Wettberg. Die Zahl der Mitglieder sei seit der Gründung von 79 auf über 800 angewachsen und steige weiter.