Hannover - Rund 25 000 Menschen unter 25 Jahren in Niedersachsen sind derzeit arbeitslos. Zu viele, meinen der DGB Niedersachsen/Bremen, die Bundesagentur für Arbeit und die Unternehmerverbände (UVN). In einem gemeinsamen Appell fordern sie, einen erfolgreichen Bürgergang von der Schule in den Beruf für möglichst alle zu erreichen. „Kein junger Mensch darf in Niedersachsen verloren gehen“, müsse dabei handlungsleitend sein.
Berufliche Orientierung (BO) finde nicht überall systematisch und verbindlich genug statt, um alle Schülerinnen und Schüler gut auf den Übergang von der Schule in den Beruf vorzubereiten, so das Fazit der drei Verbände nach der Evaluation des BO-Erlasses für Niedersachsen. Die Folge: Zu viele Jugendliche gingen auf dem Weg in die Ausbildung verloren oder brechen ihre Ausbildung oder ihr Studium vorzeitig ab. Dies könne sich Niedersachsen in Zeiten von Fachkräfteengpässen nicht leisten.
„Praktika geben Einblicke“
Im Rahmen der „Woche der Ausbildung“ präsentierten die Regionaldirektion Niedersachsen/Bremen der Bundesagentur für Arbeit zusammen mit dem DGB-Bezirk und den UVN daher ihr Papier „Alle jungen Menschen erhalten eine Perspektive“. Einer der Vorschläge: eine bessere Berufsorientierung ab Klasse 7. Die Berufsorientierung müsse bei der Vermittlung von Lerninhalten deutlich mehr Gewicht auf lebens- und arbeitsweltbezogenes Wissen geben, fordert DGB-Landeschef Mehrdad Payandeh. Praktika hätten eine Schlüsselfunktion, sagt Johannes Pfeiffer, Chef der Arbeitsagentur, „vor allem, wenn sie zur individuellen Entwicklungsphase der jungen Menschen passen.“ Pfeiffer meint: „Praktika können mehr als nur Einblicke in die Berufswelt geben. Sie können reale (Lebens-) Erfahrung außerhalb der Schule ermöglichen.“ Pfeiffer appelliert an die Schulen, die vielfältigen Optionen für Praktika auch in der Praxis auszuschöpfen.
Bildungs-ID gefordert
Die flächendeckende Einführung einer Bildungs-ID in Niedersachsen fordert UVN-Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Sie sei „ein zentrales digitales Instrument, das den Bildungsweg jedes Einzelnen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter nahtlos dokumentiert und unterstützt“. Durch die Einführung einer solchen ID gewinne man einen Überblick über die Bildungshistorie, Fortschritte, Qualifikationen und besonders Unterstützungsbedarfe. Mit individuellen Förderangeboten könne man frühzeitig einschreiten, wenn Risiken des Bildungsabbruchs erkennbar würden. Die Verbände verstehen ihre Erklärung als konstruktiven Beitrag zum neuen BO-Erlass des Kultusministeriums.
