Hannover - Der unter Korruptionsverdacht stehende Richter ist vermutlich zufällig durch die Beschwerde einer Referendarin vor den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gewarnt worden. Die Frau habe im Januar den Referatsleiter des Landesjustizprüfungsamtes in Celle darauf hingewiesen, dass ihr Prüfungsfragen angeboten worden seien, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums am Freitag in Hannover. Bei dem Telefonat sei der Richter dabei gewesen. Daher sei es „plausibel, dass der Beschuldigte damit rechnen konnte, dass weitere Ermittlungen erfolgen konnten“.
Das Justizministerium widersprach damit einem Zeitungsbericht, in dem behauptet wurde, der Richter sei bewusst aus Justizkreisen über die drohenden Ermittlungen informiert worden und hätte daraufhin Beweismittel beseitigen können. Das Gegenteil sei der Fall, sagte der Sprecher. Wegen der „Schwere des Falls“ habe die Justiz besonders schnell und konsequent gehandelt. Zwischen den vorgeworfenen Taten, den Durchsuchungen der Ermittler und dem Haftbefehl gegen den Richter habe lediglich eine Woche gelegen.
Erstmals habe sich die Staatsanwaltschaft bereits im April 2013 wegen einer „Unregelmäßigkeit“ beim Notensprung eines Prüflings eingeschaltet. Damals habe es jedoch keine hinreichenden Hinweise für weitere Ermittlungen gegeben. Auch davon habe der nun Beschuldigte laut Ministerium Kenntnis gehabt.
Der Richter war Anfang der Woche in Italien festgenommen worden – wann er ausgeliefert wird, ist noch unklar. Bei seiner Festnahme in einem Mailänder Hotel soll der Richter eine geladene Pistole und 30 000 Euro bei sich gehabt haben. Eine junge Rumänin soll zudem bei ihm gewesen sein.
Der 48-Jährige steht im Verdacht, Klausurthemen und -lösungen verkauft zu haben. Vor allem Prüfungswiederholern soll der Mann seine Dienste angeboten haben. Wegen der Vorwürfe müssen die Abschlussexamen von rund 2000 Juristen von Sonderprüfern erneut untersucht werden.
