Hannover/Oldenburg/Vechta - Für SPD und Grüne kommt die Nachricht im Wahlkampf ungelegen. Neun von zwölf Hochschulen in Niedersachsen haben sich gegen die von den Oppositionsparteien vehement geforderte Abschaffung der Studiengebühren ausgesprochen. Sie befürchten, dass sich die Studienbedingungen verschlechtern, wenn es keinen Ersatz für wegbrechende Einnahmen gibt. Seit sechs Jahren müssen Studierende 500 Euro pro Semester bezahlen. Neben Niedersachsen hält nur Bayern an den Beiträgen fest. In anderen Bundesländern wurden sie teilweise wieder abgeschafft.

Gegen die Abschaffung haben sich bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa die Universitäten Oldenburg, Vechta, Osnabrück, Braunschweig, Hildesheim und Clausthal sowie die Medizinische Hochschule Hannover, die Tierärztliche Hochschule Hannover und die Hochschule Ostfalia ausgesprochen. Die Universitäten Lüneburg und Göttingen möchten sich aus der politischen Debatte heraushalten und sich in dieser Frage gar nicht positionieren.

Der Präsident der Uni Hannover, Erich Barke, geht davon aus, dass es zu einer Abschaffung der Gebühren kommen wird: „Es gibt keine Alternativen zur Abschaffung angesichts der derzeitigen Diskussion“, sagte Barke.

Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) sieht sich bestätigt. Die Abschaffung der Studiengebühren habe sich in anderen Bundesländern „nachteilig für Hochschulen und Studierende ausgewirkt“, sagte Wanka dieser Zeitung. Das sei auch den Hochschulpräsidenten in Niedersachsen bekannt. Die Landeshochschulkonferenz hatte die Studiengebühren bereits 2011 mehrheitlich als „unverzichtbar“ bezeichnet.

Nach Ansicht von SPD und Grünen besteht allerdings keine Gefahr. Der Protest sei unbegründet. „Die Streichung der Studiengebühren wird gegenfinanziert“, sagte die SPD-Schattenwissenschaftsministerin Gabriele Andretta. „Wir wollen den Hochschulen den Wegfall der Studiengebühren aus Landesmitteln ersetzen. Daher werden sich die Studienbedingungen nicht verschlechtern; aber für die Studenten wird es eine Erleichterung“, erklärte Grünen-Fraktionsvize Gabriele Heinen-Kljajic. Die Linken sprachen von Panikmache. Zwei Tage vor der Landtagswahl wollen mehrere tausend Studenten aus ganz Niedersachsen in Hannover für eine Abschaffung der „Campus-Maut“ demonstrieren.

SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel hatte in dieser Zeitung kritisiert, dass die Studiengebühren rund 250 000 junge Menschen seit dem Regierungswechsel zur CDU aus Niedersachsen vertrieben hätten. Wanka erklärte, die Zahl sei viel geringer. Gabriel zähle jeden abgewanderten Studenten mehrfach. Die Qualität des Studiums habe sich in Niedersachsen enorm verbessert, mit 171 000 Studierenden sei ein neuer Rekordwert erreicht, so Wanka.