Oldenburg - Europa sollte nach Ansicht des Oldenburger Bischofs Jan Janssen seine Grenzen für Flüchtlinge offenhalten. „Wenn Europa mit seinen Werten weltweit eine Chance haben will, dann muss es schon allein um des Dialoges willen von Abschottungen absehen“, sagte der evangelische Theologe jetzt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Statt dessen sollte Europa an der Seite der Hilfsorganisationen in die Krisengebiete gehen und humanitäre und bildungspolitische Projekte organisieren. Janssen: „Je mehr wir die Zivilgesellschaft stärken, desto besser für diese Menschen.“

Ein militärisches Eingreifen lehnt der Bischof ab. „Hier geht es nicht um den Kampf einer Armee gegen eine andere Armee.“ Ein solches Vorgehen stärke lediglich den Islamischen Staat (IS), weil er sich dann als staatlicher Gegner ernstgenommen fühlen könnte. „Aber hier geht es um Terror und Verbrechen“, so Janssen. Darum könne allenfalls ein polizeilicher Einsatz sinnvoll sein, in dem viele Staaten mit regionalen Kräften zusammenarbeiten. „Aber ich höre von solchen Plänen nur wenig, zu wenig.“

Dass so viele Politiker von den zahlreichen Flüchtlingen überrascht wurden, kann Janssen nicht nachvollziehen. „Wer wach die Nachrichten verfolgt hat, ahnte zumindest, dass die Flüchtlinge nicht vor den Toren Europas halt machen, auch nicht vor unseren Toren.“ Vielmehr müsste kritisch gefragt werden, ob die Konflikte, die zur Flucht führten, in den vergangenen Jahren nicht zu sehr ausgeblendet worden seien. Der Bischof berichtete von einem Besuch im Libanon. „Dort haben die ökumenischen Geschwister verwundert den Kopf geschüttelt und mich gefragt, ob wir das Thema nicht schon früher erkannt hätten.“