Westerstede - Im Klinikzentrum Westerstede werden in diesen Tagen erste Vorbereitung zur Aufnahme kriegsverletzter Menschen aus dem Gazastreifen getroffen. Die Ärzte erwarten im Gesundheitszentrum der Ammerländer Kreisstadt zunächst drei Patienten. „Es ist unsere Absicht, zuerst Frauen und Kinder nach Westerstede zu holen“, bestätigte Chefarzt Dr. Muneer Deeb. Der im Gazastreifen aufgewachsene Chirurg ist der Initiator der in Deutschland bislang einmaligen Hilfsaktion. Ammerland-Klinik und Bundeswehrkrankenhaus, die schon vor Jahren eine Kooperation eingingen, wollen bei der Versorgung der Patienten eng zusammenarbeiten.
Als die medizinische Versorgungslage nach den ersten Angriffswellen immer dramatischer wurde, setzte die international tätige Mediziner-Organisation PalMed einen Hilferuf ab, den auch Deeb auffing, denn er ist seit Jahren aktives Mitglied dieser Vereinigung. Gemeinsam mit PalMed soll in diesen Tagen entschieden werden, welche drei Patienten nach Westerstede kommen.
Schwierig sein wird es nach Einschätzung Deebs, die Menschen außer Landes zu bringen, denn der Grenzübergang nach Ägypten ist meist geschlossen. „Dennoch sind wir zuversichtlich, dass das gelingen wird,“ erklärte der Medizinische Geschäftsführer der Westersteder Ammerland-Klinik, Chefarzt Dr. Michael Wuttke. Derweil hat Deeb Kontakte nach Tel Aviv aufgenommen. „Auf diesem Wege lassen sich am besten möglicherweise bestehende Visa-Probleme lösen.“
Bei den drei Patienten, die nach Westerstede kommen, soll es womöglich nicht bleiben. „Wenn es weiteren Bedarf gibt, und davon ist ja beinahe auszugehen, könnte ich mir vorstellen, dass wir nach und nach auch weitere Menschen bei uns aufnehmen“, unterstrich Wuttke. Deeb würde das sehr begrüßen, denn er weiß aus vielen persönlichen Kontakten in die Heimat, wie schlecht es dort besonders Frauen, Kindern und jungen Familien geht.
Am Klinikzentrum Westerstede verfügt vor allem die Bundeswehr über viel Erfahrung im Umgang mit kriegsverletzten Patienten. Wie berichtet, nahm die Klinik 2013 mehrere schwer kranke Syrer auf, die von Mai bis Juli in Westerstede blieben und behandelt wurden. Davor versorgten die Ärzte in einem von der Bundeswehr initiierten Hilfsprojekt bereits Verletzte aus Libyen.
Ammerland-Landrat Jörg Bensberg (parteilos) unterstützt die Bemühungen des Klinikzentrums. „Ich freue mich sehr darüber, dass Dr. Deeb diese Hilfsmaßnahme auf den Weg gebracht hat, denn die Menschen in den Krisengebieten haben eine Menge Leid erfahren. Da ist humanitäre Hilfe unbedingt willkommen“.
Das kann Deeb nur unterstreichen. „Nach meinen Informationen hat der Krieg bislang 1875 Tote gefordert. Darunter waren 255 Frauen und 426 Kinder. Die Zahl der Verletzten wird auf 9500 geschätzt. Und auch darunter sollen wiederum 2877 Kinder sein. Daran kann man sehen, wie groß der Handlungsbedarf ist. Ich bin froh, dass unser Haus nun einen kleinen Anfang macht. Vielleicht ist das für andere ein Zeichen, ebenfalls zu helfen.“
