Den Liberalen ist, um es höflich zu formulieren, in den letzten Monaten nicht viel gelungen. Die Nachfolge von Noch-Parteichef Guido Westerwelle aber wurde schneller und reibungsloser geregelt, als selbst Parteifreunde es für möglich hielten. Mit Philipp Rösler kandidiert ein ausgesprochener Hoffnungsträger, dessen politisches Talent unumstritten, dessen Bekanntheitsgrad aber noch steigerungsfähig ist. Vertraut man Röslers früheren Ankündigungen, dann bleiben ihm bis zum selbst definierten Ende seiner politischen Laufbahn noch gut sieben Jahre. Dennoch ist er eine gute Wahl.

Natürlich werden die Kritiker tönen, dass der FDP-Vorsitzende in spe bis heute wenig Erfolge bei der Therapierung des deutschen Gesundheitswesens vorzeigen kann. Richtig, aber wie sollte er schaffen, woran ausnahmslos alle Vorgänger, gleich welcher Couleur, scheiterten? Immerhin hat der gelernte Mediziner nicht nur Placebos verteilt, sondern die Geschwüre richtig diagnostiziert. Bis zur Heilung ist es indes noch ein langer Weg, in einer Koalition mit der Union wohl auch kaum zu schaffen.

Rösler widerstand der Verlockung, mit dem Parteiamt auch das wohl schwierigste zu vergebene Ministerium zu wechseln. Wirtschaftsminister könnte er. Das hat er in Niedersachsen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Immerhin: Obwohl es das Amt eines Vizekanzlers laut Verfassung nicht gibt, wird er künftig die Bundeskanzlerin in deren Abwesenheit vertreten. Ein nicht zu unterschätzender Imagezuwachs in der Öffentlichkeit.

Keine Frage, die Liberalen brauchen dringend einen ausgewiesenen Wunderheiler, Westerwelle war es zuletzt erkennbar nicht mehr. Rösler indes könnte, ist die richtige Diagnose zur Reanimierung seiner Partei erst einmal gefunden, dies durchaus gelingen. Es bleibt eine Herkulesarbeit für den eloquenten Menschenfänger. Statt Ein-Themen-Programm muss er die FDP wieder öffnen für liberale Zeitgeister. Ökologie darf weder als Schimpfwort verstanden, noch anderen Parteien exklusiv überlassen werden. Weg von der Partei der Besserverdiener, hin zur liberalen Plattform für breite Schichten der Bevölkerung. Dann klappt’s auch wieder mit den Wählerinnen und Wählern.