Hannover - Die mitgebrachten „Klatschen“ aus Papier sind für die Arbeitgeber, die Gratis-Suppe für den Magen der Warnstreikenden – fast 10 000 „Verdi“-Mitglieder lärmen am Donnerstag auf dem Opernplatz von Hannover wie ein ganzes Fußballstadion. Alles in Rot: Westen, Plakate, Transparente, Trommeln und die alles durchdringenden Pfeifen. Erzieherinnen, Sozialarbeiter und sozialpädagogische Kräfte machen ihrem Ärger Luft über die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände. Wenige Meter weiter quälen sich die Tarif-Gegner in einem Hotel ergebnislos durch die vierte Verhandlungsrunde für mehr als 240 000 Beschäftigte bundesweit. Es dürften noch viele Runden folgen. Dazu trägt die Forderung der Gewerkschaft nach höherer Eingruppierung der Beschäftigten bei: im Schnitt zehn Prozent mehr auf den Gehaltsstreifen.

„Vom Idealismus allein können wir nicht leben“, ruft Achim Meerkamp vom „Verdi“-Bundesvorstand den Demonstranten zu und erntet breite Zustimmung. Aus dem ganzen Norden bis hin nach Hessen sind die Tausenden gekommen. Die meisten aus Niedersachsen und Bremen. Ganz stark der Nordwesten mit Warnstreikenden beispielsweise aus Nordenham, Oldenburg, Schortens, Sande, Delmenhorst und Osnabrück. Allein in der niedersächsischen Landeshauptstadt bleiben alle 40 städtischen Kitas geschlossen. „Macht es euch kuschelig“, rät eine Frau vorne am Mikrofon. Viel kuscheliger geht nicht. Alle stehen eng an eng. Die meisten sind Frauen, wie die uniformierten, ganz entspannten Polizistinnen um den Opernplatz. Einsam hält ein Mann sein Plakat hoch: „Erziehungsberuf für Männer sexy machen“.

Mindestens lukrativer, lautet die unüberhörbare Forderung von „Verdi“-Spitzenmann Meerkamp. „Unsere Forderungen entsprechen nur einem Prozent der Personalkosten kommunaler Arbeitgeber“, rechnet er vor. Niemand verdiene fürstlich. Eine Kinderpflegerin erhält 2043 Euro brutto monatlich, eine Kita-Leiterin nach vielen Berufsjahren 4749 Euro. Für die Arbeitgeberseite kein Argument. Sie hält die Einkommen von Handwerkern und Feuerwehrleuten dagegen. Erzieherinnen würden besser verdienen, heißt es.

Die Fronten sind zweifellos verhärtet. Meerkamp erinnert daran, dass die Arbeitgeber Bürgermeister und Oberbürgermeister seien. Nicht ausgeschlossen, dass der Arbeitskampf auch vor Ort an Härte gewinnt. Wie Meerkamp sagt: „Wir meinen es ernst.“