Auch seine erbitterten Widersacher freuen sich darüber, dass Oskar Lafontaine gesundet ist. Er ist nun mal der beste Kopf im Lager der Linken. Da sitzt er nun auf den Bänken der Opposition in seiner saarländischen Heimat und langweilt sich. Und grämen wird er sich auch.
In der Partei, die er anfangs mit beachtlichen Erfolgen, wesentlich zu Lasten der Sozialdemokraten, geführt hat, streiten sich die Führungsfiguren nach Art der Kesselflicker. Da war es gar nicht so überraschend, dass sich Gregor Gysi, der eloquente Teufelskerl, mit einem „Notruf“ vernehmen ließ, adressiert an die hilflos jonglierenden Vorsitzenden der Partei, an die chronisch beleidigt wirkende Gesine Lötzsch und den passionierten Porschefahrer Klaus Ernst. Oskar soll der Retter sein.
Doch was tut ein Retter, wenn da keine sind, die gerettet werden wollen? Lafontaines Entwurf für ein Grundsatzprogramm, das den Sozialstaat für teures Geld (noch) gerechter machen soll, ist den Reformern zu radikal. Seinen von vielen Genossen als autoritär empfundenen Führungsstil sind sie leid. Nur noch wenige der Linken im Westen, zumal in Nordrhein-Westfalen, die einen blütenreinen Sozialismus erträumen, sehen in Lafontaine den Erlöser. Einige der Landesvorsitzenden vermissen die Kooperation mit der Berliner Parteispitze. Sie fühlen sich frustriert, weil die Berliner eine selbstkritische Diskussion über den Weg der Partei eben noch verweigert haben.
Es sind vor allem die Reformer unter den Linken im Osten, die von Lötzsch und Ernst wissen wollen, warum die Partei in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz derart eingebrochen ist. Sie wollen endlich Orientierung und eine überzeugende Alternative zu Lafontaines Grundsatzprogramm. Neue Mitglieder lassen sich bei den Linken schon eine Weile nicht mehr blicken. Nicht wenige haben der Partei Adieu gesagt. Stillstand allüberall. Das bedrückt gerade jene unter den Linken, die in Berlin und Brandenburg beweisen wollen oder schon bewiesen haben, dass sie regierungsfähig sind. Nicht verschwiegen werden darf die oft sehr nützliche Arbeit der alten PDS in den Kommunen.
In dieser Woche scheint die Führungsspitze „verstanden“ zu haben. Am 2. Mai werden die Kreisvorsitzenden in die Hauptstadt gebeten. Eine Krise der Partei werden Lötzsch und der im Osten anhaltend unbeliebte Klaus Ernst natürlich in Abrede stellen. Unschwer vorherzusehen jedoch, dass die Genossen aus der Provinz ihrem Frust heftig Luft machen werden.
Oskar wird nicht dabei sein. Sie werden auch nicht nach ihm rufen. Jetzt noch nicht. Vielleicht überhaupt nicht mehr.
