Bad Iburg - Bad Iburg ist eigentlich ein Ort der Erholung. Das 10 000 Einwohner große Heilbad südlich von Osnabrück verspricht Therapieangebote etwa bei nervösen Störungen. Seit dem 19. März liegen allerdings die Nerven zahlreicher Bürger des Kurortes selber blank. Eine Mehrheit aus CDU und Grünen stimmte im Stadtrat dafür, den Haushaltsansatz für die Gartenschau zu streichen. Seitdem gibt es aufgeregte Diskussionen.
„Die Bürger zerfleischen sich gegenseitig“, erklärt Bürgermeisterin Annette Niermann (Grüne), die sich mit ihrem Votum für die für 2018 geplante Schau nicht durchsetzen konnte.
Das Agrarministerium in Hannover lehnt einen Zuschuss aus Landesmitteln für die Förderung von Landesgartenschauen weiter ab. Die Landesregierung halte daran fest, dass die Kommunen sich Förderprogramme suchen und die Finanzierung über Sponsoren und Eigenmittel sicherstellen müssen, sagte ein Ministeriumssprecher.
Wozu ist eine Landesgartenschau überhaupt gut? Befürworter verweisen darauf, dass es nicht so sehr um eine „Blümchenschau“ gehe, sondern um Impulse für die Stadtentwicklung. Winsen an der Luhe verwandelte 2006 Brachflächen in einen blühenden Park und lockt bis heute Gäste an.
Dennoch: Struktur- und Städtebauimpulse seien auch mit anderen Programmen möglich, sagt Bernhard Zentgraf, Vorsitzender des Steuerzahlerbundes in Niedersachsen. Er warnt das Land davor, eigene Mittel für Gartenschauen aufzubringen.
Seit 2007 gibt Niedersachsen kein eigenes Geld für die Landesgartenschauen. Die Kommunen müssten auf eigene Faust schauen, Förderprogramme zu finden, etwa aus europäischen Fonds, sagt Manfred Böhling, Sprecher des zuständigen Agrarministeriums. Seitdem sei die Zahl der Bewerbungen in Niedersachsen zurückgegangen, bemängelt Harald Mikulla, Geschäftsführer der Fördergesellschaft Landesgartenschauen Niedersachsen. In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen oder Nordrhein-Westfalen gebe es eine feste Förderung des Landes.
In Bad Iburg ist für Bürgermeisterin Niermann der Zug für die Gartenschau noch nicht abgefahren. Die Kureinrichtungen müssten dringend weiterentwickelt und besser an die Stadt angebunden werden. Bei 40 Prozent Förderung rechne sie mit Kosten von 1,8 Millionen Euro, die die Stadt an Investitionen aufbringen müsse. Vielleicht sei der Stadtratsbeschluss noch „heilbar“ – mit einem Nachtragshaushalt etwa. „Es besteht noch ein wenig Hoffnung, dass wir das Ruder doch noch herumreißen“, sagt Niermann.
