Hannover - Ein erschreckender Befund: Jeder Vierte in Niedersachsen leidet im Laufe eines Jahres unter psychischen Problemen. Dieses Bild zeichneten Experten am Montag bei der großen Konferenz zur Präsentation des ersten Landespsychiatrieplans. „Psychische Erkrankungen können jeden Menschen treffen“, betonte Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD).
Umso wichtiger sei es, „dass für Bürgerinnen und Bürger ein umfassendes Angebot an Hilfe bereitsteht“. Rundt: „Dazu gehören insbesondere wohnortnahe Behandlungs- und Beratungsangebote.“ Das Problem: Die Möglichkeiten sind regional äußerst unterschiedlich verteilt, besonders in ländlichen Räumen fehlen ausreichende Einrichtungen. Die Folge sind oft monatelange Wartezeiten.
„Mit dem Landespsychiatrieplan haben wir ein zentrales Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt“, lobt dennoch der Grünen-Gesundheitsexperte Thomas Schremmer die 38-seitige Ausarbeitung. Das Ziel: Eine bessere Vernetzung und Bündelung der Angebote „beispielsweise bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder der gerontopsychiatrischen Versorgung“, so Schremmer.
Für Ministerin Rundt gilt ein klarer Grundsatz: „ambulant vor stationär“. Die SPD-Politikerin plädiert deshalb dafür, Hausärzte, Selbsthilfegruppen und andere Angebote vor Ort stärker zu fördern.
„Aber der Bürger ist etwas verlassen, wenn er das Angebot nutzen will“, mahnt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Betroffene müssten leichter an Informationen kommen können, wen sie im konkreten Fall ansprechen könnten. Der Plan gibt konkrete Empfehlungen, beispielsweise die Einrichtung von Demenzbeauftragten und die Förderung von Krankenhäusern mir Demenzspezialisierung. Rundt möchte zudem die „Depressionsbekämpfung“ stärker in den Mittelpunkt rücken.
