Hannover - Ärzte in Deutschland können sich zum ersten Mal im Internet gezielt darüber informieren, wie sie bei einem Verdacht auf Kindesmisshandlung vorgehen sollten. Der „Ärztliche Leitfaden Kinderschutz“ helfe ihnen, Gewalt gegen Kinder zu erkennen, sagte der Vizepräsident der Ärztekammer Niedersachsen, Gisbert Voigt, in Hannover, wo Ärztekammer und Techniker Krankenkasse den digitalen Leitfaden am Mittwoch freischalteten.

Das Angebot richte sich in erster Linie an Ärztinnen und Ärzte, da diese beim Kinderschutz eine Schlüsselrolle spielten, hieß es. In dem Heft fänden sich jedoch auch Kontaktdaten von weiteren Ansprechpartnern.

Die größte Schwierigkeit sei das Erkennen von Misshandlungsfällen, sagte die hannoversche Rechtsmedizinerin Anette Solveig Debertin. „Kinder haben oft Blessuren vom Spielen – Missbrauchsspuren sind davon meist nur schwer zu unterscheiden.“ Als Hilfe für niedersächsische Ärzte verweise der Leitfaden deshalb auf das rechtsmedizinische „Projekt Kinderschutz“ der Medizinischen Hochschule Hannover.

Seit dem Start des Projektes im Oktober 2010 hätten die Rechtsmediziner mehr als 300 Fälle beurteilt. Knapp die Hälfte davon konnte laut Debertin aufgeklärt werden: „20 Prozent der Verdachtsfälle stellen sich tatsächlich als Missbrauch heraus.“