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Liebes „Maxe“!

Dieter Rüdebusch

FORTSETZUNG VON VORIGER SEITE

Jahr spricht er noch deutlichere Worte: Das Lob Gottes zu fördern sei das eigentliche Ziel seiner Tätigkeit, „nicht Menschlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen“.

Weitere, mehr und mehr kritische Predigten und Hirtenbriefe folgten, den Ruf als „Löwe von Münster“ und seine Einstufung seitens der Nationalsozialisten als gefährlich begründeten jedoch die Predigten im Sommer 1941: in Münster St. Lamberti und Liebfrauen-Überwasser am 13. und am 20. Juli sowie am 03. August. Ohne Rücksicht auf die offensichtliche Gefahr für sein eigenes Leben klagte er die Nationalsozialisten öffentlich an und geißelte die willkürlichen Verhaftungen und Verurteilungen ohne Gerichtsverfahren, die Vertreibung der Ordensleute aus Klöstern und, am 03. August, die als Euthanasie im Sinne von Sterbehilfe verharmloste Ermordung geistig und körperlich behinderter Menschen und verteidigte das unverletzbare Recht auf Leben. Die von vielen Nazi-Größen gewünschte Verhaftung und Hinrichtung Clemens Augusts verhinderte Propagandaminister Joseph Goebbels mit dem Hinweis, dass man während des Krieges keinen katholischen Märtyrer schaffen und so einen Aufstand im Münsterland provozieren sollte, vielmehr solle die Lösung des „Problems“ von Galen auf die Zeit nach dem „Endsieg“ verschoben werden.

Mut für Menschrechte

Die Wurzeln der Motivation für den selbstlosen Einsatz des Bischofs von Galen gegen das NS-Regime und für die Menschlichkeit in Verfolgung eines transzendenten Ziels sind im Elternhaus zu finden, das Clemens August die christlichen und sozialen Werte mitgegeben hat. Diese tiefe Frömmigkeit und das Bewusstsein, in die universale Weltkirche mit Blick auf Rom eingebunden zu sein, gaben sicherlich dem „Löwen von Münster“ Kraft und Mut, sich für die Menschenrechte einzusetzen.

Dieser Einsatz war für Clemens August von Galen jedoch auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber den Alliierten ein Anliegen. So sprach er sich in der Auseinandersetzung mit der Britischen Militärregierung gegen die so genannte „Kol-

lektivschuld“ aller Deutschen aus. Dies und die Tatsache, dass von Galen ein konservativ gesinnter Mensch, ein Patriot gewesen ist, trägt ihm bis heute Kritik und Zweifel an seiner Gesinnung ein – Kritik und Zweifel, die sich jedoch relativieren, wenn man die außerordentlichen Umstände und den übergroßen Druck durch die nackte Angst um Leib und Leben berücksichtigt, dem sich die Menschen im Dritten Reich ausgesetzt sahen. Wer von den Kritikern würde heute noch so mutig und selbstlos wie Clemens August von Galen handeln? Dies hatten die christli-

chen Zeitgenossen Clemens Augusts klar vor Augen und so war er bis zu seinem Tod ein hoch verehrter und umjubelter Mann, dessen Tod im Jahre 1946 kurz nach seiner Ernennung zum Kardinal große Bestürzung auslöste.

Im Oldenburger Münsterland, das heißt den Landkreisen Cloppenburg und Vechta, wird das Andenken an Clemens August in Ehren gehalten.

Kreuzkampf

Hier, wo die Menschen gegen die Nationalsozialisten aufstanden, den berühmten „Kreuzkampf“ durchfochten und so für gewisse Zeit die Erhaltung des Kreuzes in den Klassenzimmern der Schulen durchsetzten, gibt es heute zahlreiche Institutionen und Schulen, die seinen Namen tragen, z.B. in Cloppenburg, Dinklage, Meppen, aber darüber hinaus auch in Münster, Hannover, Heidelberg und Schöppingen. Die Seligsprechung des Kardinals Clemens     August     Graf

von Galen am 09. Oktober 2005 setzte ein Zeichen für selbstloses Handeln trotz Lebensgefahr und für öffentliches Eintreten für auf Gottes Gebote gestützte Menschenrechte auch gegen Widerstände.

Neu ist das Vorhaben der im Dezember 2009 gegründeten „Kardinal-von-Galen-Stiftung“ auf der Burg Dinklage, dem Geburtsort von Galens, einen Gedenk-, Erinnerungs- und Inspirationsort einzurichten.

Clemens August als Seelsorger. In: Volkstum und Landschaft. Beilage der Münsterländischen Tageszeitung, 26. Mai 2001, Nr. 150 – 68. Jg. S. 4 ff.

Korff, Elisabeth von: Elisabeth Gräfin von Galen. In: Zumholz, Maria-Anna (Hrsg.): Starke Frauen. Lebensbilder von Frauen aus dem Oldenburger Münsterland im 19. und 20. Jahrhundert. Münster 2010. S. 96-103.

Kuropka, Joachim:Streitfall Galen. Clemens August von Galen und der Nationalsozialismus. Studien und Dokumente. Münster 2007.

Kuropka, Joachim: Clemens August von Galen. Neue Forschungen zum Leben und Wirken des Bischofs von Münster. Münster 1993.

Portmann, Heinrich:Der Bischof von Münster. Das Echo eines Kampfes für Gottesrecht und Menschenrecht. Münster 1946.

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