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Großbritannien Eher Rosenkrieg statt Männerfreundschaft

Michael Donhauser

LONDON - Sie waren das neue Traumpaar der britischen Politik. Als David Cameron und Nick Clegg vor nicht einmal einem Jahr im Rosengarten der Downing Street standen und den Start einer Koalitionsregierung verkündeten, wirkten sie wie zwei erwachsen gewordene Jungs, bereit für große Taten. „Bisher waren wir Rivalen, jetzt sind wir Kollegen“, sagte Clegg damals.

Inzwischen könnte er den Satz umdrehen. Die Männerfreundschaft des konservativen Premierministers Cameron und seines liberaldemokratisches Vizes ist beendet. Im „Independent“-Interview bezichtigte Clegg seinen Partner jetzt offen der Lüge.

Jedes noch so kleine Thema scheint gerade recht zu kommen, um einen Streit zwischen den Koalitionären zu provozieren. Vor kurzem gerieten sich die führenden Politiker Großbritanniens ernsthaft über die Frage in die Haare, ob man seinem Nachbarssohn einen Praktikumsplatz verschaffen dürfe. „Das war schon immer so, das mache ich auch weiterhin so“, sagte Cameron, er sei „ausgesprochen entspannt“ bei diesem Thema. Es könne nicht sein, dass Praktikumsplätze von sozialen Kontakten abhängen, sagte Clegg, er sei „alles andere als entspannt“.

Liste der Streitigkeiten

Das Problem: Es ist nicht nur ein persönliches Gefecht der beiden Parteichefs. Es kracht vielmehr bei jeder Gelegenheit gefährlich laut im Gebälk der gesamten Regierungskoalition. Im Moment schlagen die Wogen um eine Wahlrechtsreform besonders hoch.

Der liberaldemokratische Energieminister Chris Huhne nennt seinen konservativen Kabinettskollegen und Schatzkanzler George Osborne offen einen „Lügner“, das Vorgehen der konservativen Parteigeschäftsführerin Sayeeda Warsi vergleicht er gar mit den Methoden von Nazi-Propagandist Josef Goebbels. Der liberaldemokratische Wirtschaftsminister Vince Cable ist der Meinung, das Referendum über das Wahlrecht am 5. Mai sei geeignet, „die Dominanz der Tories“ zu brechen.

So sprechen eigentlich nicht Politiker übereinander, die vorhaben, noch lange erfolgreich miteinander zu arbeiten. Wahlreform und Praktikumsplätze sind nur zwei neue Einträge auf einer langen Liste der Streitigkeiten. Studiengebühren, Medienpolitik, Migrationspolitik, soziale Einschnitte – kaum eines der wichtigen Themen wird in Großbritanniens Koalition im Konsens entschieden.

Umfragewerte im Keller

Beide haben jedoch kaum eine andere Wahl als miteinander weiterzumachen. Die Umfragewerte der Liberaldemokraten um ihren einstigen Polit-Star Clegg sind im Keller. Bei der Parlamentswahl im Mai 2010 noch bei 23 Prozent, liegen die „Libdems“ inzwischen bei einem einstelligen Wert. Aber auch die Konservativen müssen wohl oder übel mit den ungeliebten Liberaldemokraten weiterregieren. Für eine eigene Mehrheit wird es angesichts des Volkes Zorn über den extrem harten Sparkurs kaum reichen.

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