Der Begriff vom „Urgestein der Politik“ sollte eigentlich auf der Müllhalde der abgedroschenen Worthülsen gelandet sein. Aber wenn es je jemanden gegeben hat, auf den dieser Begriff Urgestein zutrifft, dann ist das zweifellos Manfred Carstens – der Mann der die oldenburgische CDU 24 Jahre lang angeführt hat. Und zwar unbeirrt von äußeren und inneren Einflüsterungen.
An Carstens mögen Freund und Gegner – wenn sie es denn wagten – im Laufe dieser langen Amtszeit einiges auszusetzen gehabt haben. Eines jedoch nicht. Nämlich dass der Mann aus Südoldenburg jemals seine Grundsätze verraten hätte.
Egal, ob als Volksvertreter im Bundestag, als Staatssekretär des einen oder anderen Ministeriums oder als Repräsentant der Region – der von Grund auf überzeugte Katholik hat seine Position nie aufgegeben. Als es 1990 darum ging, den Vertrag zur deutschen Einheit zu definieren, stimmte Carstens als einziges Kabinettsmitglied gegen die Vorlage – weil darin die liberale Haltung der DDR zur Abtreibung berücksichtigt werden sollte. Für einen wie Carstens nichts anderes als Teufelswerk. Er stand für seine christliche Überzeugung wie ein Fels in der Brandung und ertrug die geharnischte Schelte auch aus der eigenen Partei mit geradezu stoischer Ruhe.
Sein Nachfolger Franz-Josef Holzenkamp tritt ein gewiss nicht leichtes Erbe an. Die Namen seiner unmittelbaren Vorgänger Carstens und Glup wiegen in der oldenburgischen CDU schwer. Was ja nicht heißt, dass der neue Mann eines Tages ähnlich lange amtiert haben wird – und seinerseits landespolitische Duftmarken setzt.
Mit Carstens jedenfalls tritt ein Mann von der politischen Bühne ab, der – ob man ihn nun mag oder nicht – seine Fahne nie nach dem Wind richtete, sondern stets zu den Verlässlichen zählte.
Davon gibt es heute leider nicht mehr all zu viele.
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