Hannover - 20. Januar, kurz nach 23 Uhr: David McAllister erlebt den schlimmsten Augenblick seiner Karriere. Er steht als Verlierer der Niedersachsenwahl fest. Was folgt, sind Tränen, Schweigen und viele Gerüchte. Immer wieder wird spekuliert, wann, wo und wie der einstige CDU-Hoffnungsträger wieder ins politische Scheinwerferlicht treten könnte.

100 Tage ist die Wahlpleite an diesem Dienstag her. Politisch hat sich der 42-Jährige davon nur bedingt erholt. Seine öffentlichen Reden lassen sich an einer Hand abzählen, statt Schlagzeilen sucht er in Hannover lieber das vertrauliche Gespräch mit Journalisten. Einzig als CDU-Landeschef meldet er sich dann und wann zu Wort.

Da wundert es auch nicht, dass McAllister beharrlich zu seiner Zukunft schweigt. Lange hieß es, der Vater von zwei Töchtern könne in Berlin CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ablösen. Daraus wurde erst mal nichts.

Doch damit nicht genug. Auch Ministerposten sind im Gespräch. Niedersächsische Medien orakelten, der redegewandte Deutsch-Schotte könne bei einem Merkel-Sieg im neuen Kabinett als Quereinsteiger im Verteidigungsministerium anheuern.

Dass Angela Merkel weiterhin große Stücke auf McAllister hält, machte sie schon am Tag nach dessen Wahlniederlage deutlich. Damals nannte sie den Niedersachsen einen der „fähigsten, besten Köpfen“ der CDU. „Er ist ein junger Mann im Vergleich zu meinem Alter. Insofern gehört ihm die Zukunft, an welcher Stelle auch immer.“

Auch für das Europaparlament wurde er ins Spiel gebracht. McAllister solle für die Europawahl im kommenden Jahr Spitzenkandidat der niedersächsischen CDU werden. Für diese wäre ein Weggang McAllisters – egal wohin – ein Rückschlag. Personell ist sie insbesondere im Landtag seit der Wahl angeschlagen.