Die libysche Rebellion hat mit dem arabischen Frühling, der zunächst in Tunesien, dann in Ägypten ausbrach, wenig gemein. Zu vielfältig und widerstrebend sind die Interessen. Im sogenannten befreiten Osten des Landes spielen Stämme und Clans eine zwar beherrschende, aber deshalb noch lange keine eindeutige Rolle. Mittlerweile kontrollieren Dutzende Milizen Straßen und Städte.
Noch ist völlig unklar, ob der Militärchef der Rebellen und ehemalige libysche Innenminister Junis von Gaddafi-Getreuen aus Rache getötet wurde oder von den Aufständischen selbst, die ihm doppeltes Spiel im Auftrag des Despoten unterstellten. In jedem Fall schwächt der Vorgang die Position der Gaddafi-Gegner. Die möglichen Perspektiven für das Land: Bürgerkrieg als Dauerzustand. Eine brüchige Allianz der Stämme. Oder gar komplette Anarchie.
Die NATO sieht das libysche Dilemma mit größter Sorge. Denn das Mandat für die aktuelle Operation läuft in knapp zwei Monaten aus. Dann muss neu entschieden werden: Was ist das Ziel des Einsatzes? Und wie teuer wird er?
