Celle/Hannover - Nach der Anzeige gegen einen evangelischen Pastor, dessen Gemeinde Kirchenasyl gewährt hat, hat die hannoversche Landeskirche das Kirchenasyl verteidigt. Es sei äußerstes Mittel zum Schutz eines Menschen, sagte Kirchensprecher Johannes Neukirch am Sonnabend. „Den Kirchen ist bewusst, dass die rechtliche Beurteilung von Kirchenasyl eine Gratwanderung ist. Das Kirchenasyl ist aber ein offensichtlich notwendiger Schutzraum für Menschenrechte“, sagte er. „Wir stehen hinter dem Kirchenasyl, das wir als ultima ratio verstehen.“

Der Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß bei Celle bestätigte, seine Gemeinde sei angezeigt worden, weil sie im vergangenen Jahr für viereinhalb Monate einem Flüchtling aus Eritrea Kirchenasyl geboten hatte. Nachdem die Staatsanwaltschaft in Celle das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt hatte, habe der Anzeige-Erstatter Beschwerde eingelegt. „Jetzt wird das Ermittlungsverfahren von der Generalstaatsanwaltschaft überprüft.“

Der Anzeige-Erstatter lebt nach Mannekes Informationen in Unterlüß. Persönlich sei er ihm jedoch nicht bekannt, sagte der Pastor. Die Anzeige sei erst erfolgt, als nach Ende des Kirchenasyls die örtliche Zeitung darüber berichtet hatte. Die Kirchengemeinde habe zuvor zwar zuständige Behörden informiert, das laufende Kirchenasyl jedoch bewusst nicht öffentlich gemacht.

Der Kirchenvorstand hatte Manneke zufolge im April vergangenen Jahres einstimmig beschlossen, dem Flüchtling Asyl zu gewähren und ihn vor einer Abschiebung nach Italien zu bewahren.