Hannover - Eine dramatische Entwicklung: Von „besorgniserregend“ spricht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die dazu passenden Zahlen liefert der Versicherer VGH: „Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Niedersachsen ist zwischen 2010 und 2013 um 25 Prozent gestiegen.“ Den abgebremsten Zahlen 2014 steht eine Aufklärungsquote entgegen, „die in den Keller gegangen ist“, bestätigt der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). „In einigen Polizeiinspektionen liegt die Aufklärungsquote bei Einbrüchen mittlerweile unter 10 Prozent. Damit findet allenfalls noch eine Kondolenz beim Einbruchsopfer durch die Polizei statt“, gewährt Christian Mehner vom BDK Niedersachsen einen schonungslosen Einblick in die kriminelle Wirklichkeit.
Für den FDP-Innenpolitiker Jan-Christoph Oetjen ist nach der Anhörung von Sicherheitsexperten vor dem Innenausschuss des Landtags am Donnerstag klar: „Niedersachsens Polizei braucht mehr Personal.“ Im Gespräch mit dieser Zeitung fordert der FDP-Sicherheitsexperte „1000 neue Kräfte“.
Niedersachsens Ruf ist jedenfalls bundesweit im Keller. „Hochburg der Einbrecher“, nennt der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft das norddeutsche Flächenland, das nach NRW Platz zwei bei den Wohnungseinbrüchen (2014: 14 654) einnimmt. Mit 3603 aufgeklärten Fällen weist die offizielle Statistik zwar ein Quote von 24,6 Prozent aus, aber Praktiker der Kripo erleben teilweise ganz andere Verhältnisse. „Südosteuropäische Banden fliegen regelrecht ein. Ihre Spezialität: Wohnungseinbrüche und Kfz-Diebstähle. Danach sind sie weg“, sagt BDK-Mann Mehner.
Bei Wohnungseinbrüchen liegt der durchschnittliche Schadensfall „bei 3250 Euro“, rechnet VGH-Vorstandsmitglied Tomas Vorholt vor. Betroffen sind vor allem Einfamilienhäuser und Erdgeschoss-Wohnungen. Prävention wäre billiger. Ein neues Einfamilienhaus zu sichern, „kostet etwa 2500 Euro“, sagt Vorholt. Spüren Einbrecher Widerstand, scheitern 39 Prozent der Versuche. Psychische Schäden sind übrigens weit schlimmer als die materiellen, ist sich die Expertenrunde einig. Viele Einbruchsopfer sind anschließend traumatisiert. Das Ergebnis: „Kriminalitätsangst“ und „Verlust des Sicherheitsgefühls“.
