Bremen - Monströs ragt der Bunker Valentin mitten in einem Wohngebiet im Bremer Norden in die Höhe. Die Nationalsozialisten ließen den Koloss gegen Ende des Zweiten Weltkriegs an der Weser errichten – ein wahnwitziges Rüstungsprojekt, für das Hunderte Zwangsarbeiter ihr Leben ließen. Kurz vor Kriegsende schlugen Bomben der Alliierten tiefe Löcher in die Decke. Zurück blieb eine Ruine. 70 Jahre später entsteht nun eine Gedenkstätte in Europas zweitgrößtem überirdischen Bunker. Sie will an das Leid der Zwangsarbeiter und die menschenverachtende Politik im Dritten Reich erinnern. Die feierliche Eröffnung ist für den 8. November geplant.

In dem Bunker mit dem Tarnnamen „Valentin“ wollten die Nazis im Bremer Norden U-Boote vom Typ XXI bauen, die eine Wende im Zweiten Weltkrieg herbeiführen sollten. Meterdicke Betonwände sollten die Werft vor den Bomben der Alliierten schützen. Alle 56 Stunden sollte dort ein U-Boot quasi wie am Fließband entstehen. „Es war ein Strohhalmprojekt, das auch der Propaganda diente“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Gedenkstätte, Marcus Meyer. Für die Nazis hatte das Bauvorhaben oberste Priorität, Arbeitskräfte und Rohstoffe wurden ihm bevorzugt zugeteilt. Auf der gigantischen Baustelle war rund um die Uhr Betrieb.

Auf einem 900 Meter langen Weg um den Bunker können Besucher auf Spurensuche gehen. Sie können einen Blick in das Tauchbecken werfen oder durch Überreste der früheren Betonmischanlage wandern. An 25 Stationen veranschaulichen historische Fotos und Texttafeln, wie es zwischen 1943 und 1945 auf der Baustelle aussah.