Nein, das ist nicht die angeblich typisch deutsche Neiddebatte. Doch die teils erstaunlichen Nebeneinkünfte unserer Parlamentarier verdienen nähere Betrachtung.
Man könnte es sogar als Kompliment verstehen, wenn Ausführungen von Politikern bares Geld wert sind. Die runde Million Euro, die der frühere Finanzminister Peer Steinbrück in den letzten drei Jahren zusätzlich kassiert und (hoffentlich) ordentlich versteuert hat, animiert indes zu Fragen. Weil gemeinhin die Damen und Herren Kassenwarte als dröge gelten (Ausnahmen bestätigen die Regel), muss von dem SPD-Politiker mit Ambitionen auf Höheres eine besondere Faszination ausgehen, dass die Einladenden bereit sind, ihren Gastredner mit so üppigen Gagen vor die Mikrofone zu locken. Was könnte das nur sein?
Ist es Steinbrücks bekannte Bereitschaft, auch gegen die eigenen Reihen auf Krawall zu bürsten? Oder etwa der bei seinen Genossen keineswegs von allen akzeptierte Ehrgeiz, mit dem Wohlwollen von Altkanzler Helmut Schmidt demnächst die Rolle des Kanzlerkandidaten zu geben? Vielleicht lassen die Veranstalter von Steinbrück-Vorträgen auch nur deshalb ein hübsches Sümmchen springen, weil sie von einem Spitzenpolitiker aus erster Hand erfahren möchten, wie man die angeblich tagesfüllende Beschäftigung als Volksvertreter mit der eines üppig dotierten Vortragsreisenden unter einen Hut bringt. Für ständig unter Hektik leidende Manager womöglich ein geldwerter Tipp zur besseren Nutzung ihrer begrenzten Zeitbudgets.
Steinbrück ist nicht der Einzige, der seine Rolle als Anwalt der Wähler vor allem als Chance zur Mehrung des eigenen Wohlstandes missversteht. Es gibt sie in allen Parteien und Fraktionen. Dass sie das Ansehen der großen Mehrheit unserer Abgeordneten, die tatsächlich Freizeit und Geld opfern, um die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu vertreten, beschädigen, wird gern ignoriert.
Regierungsmitgliedern ist ein solcher Zuerwerb nicht gestattet. Sie dürfen erst nach Ausscheiden die Hand aufhalten. Was einst als Verstoß gegen gute Sitten galt, ist heute weit verbreitet. Ex-Kanzler Gerhard Schröder dürfte in der Hitliste jener Politiker, die Namen und Amt zu Gold machen, nach wie vor einsamer Spitzenreiter sein.
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