Hannover/Oldenburg - Die Idee war ambitioniert, aber eine Nummer zu groß. Mehr als vier Jahre lang haben die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen darüber diskutiert, wie ihre zukünftige Zusammenarbeit aussehen soll. Seit Donnerstag ist endgültig klar: Eine einheitliche „Evangelische Kirche in Niedersachsen“ wird es auf absehbare Zeit nicht geben.
Stattdessen wollen Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche ihre 1971 gegründete Kirchen-Konföderation abspecken und in vereinfachter Form fortführen. Sie einigten sich damit auf eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner.
Alle fünf Landeskirchen haben sich inzwischen für einen Vertrag entschieden, nach dem unter anderem das Parlament der Konföderation ersatzlos wegfallen soll.
Dies bringe immerhin „Bewegung und Fortschritt“, und das sei besser als Stillstand, sagte der Vorsitzende des Landessynodalausschusses in der hannoverschen Landeskirche, Jörn Surborg. In der abgespeckten Konföderation bekommt künftig der Rat mit zehn Mitgliedern eine stärkere Rolle, und die gemeinsame Gesetzgebung soll vereinfacht werden.
Im Jahr 2023 wollen die fünf Kirchen auswerten, ob sich diese Form der Zusammenarbeit bewährt hat. Dann kommt die Idee einer landesweiten Kirche vielleicht erneut auf die Tagesordnung.
Mit der Idee einer gemeinsamen Landeskirche für rund vier Millionen Protestanten in ganz Niedersachsen hatte vor viereinhalb Jahren der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber für viel Aufsehen gesorgt. Doch die vier kleineren Kirche des Landes zogen nicht mit. Sie hätten in diesem Fall ihre Eigenständigkeit aufgeben und sich damit im Prinzip selbst abschaffen müssen. Sie verwiesen darauf, wie tief sie in ihren jeweiligen Regionen verwurzelt seien. Dort sind die Kirchen heute noch fast die einzigen Organisationen, die weiter die alten Grenzen abbilden. Sie tragen damit zur regionalen Identität bei.
