Bramsche - 26 neue Wohncontainer sind in der Aufnahmestelle für Flüchtlinge in Bramsche aufgestellt worden. Damit stieg die Kapazität auf knapp 1000 Personen. Bereits vor zwei Wochen habe man damit begonnen, um die wachsende Zahl von Asylbewerbern aufnehmen zu können, berichtete am Dienstag der stellvertretende Leiter der Landesbehörde und Standortleiter, Conrad Bramm.

Das Containerdorf neben den festen Unterkünften der Aufnahmestelle wuchs zuvor schon auf über 70 Stück an. Ursprünglich war die Aufnahmestelle für 500 Bewohner angelegt – derzeit leben dort 840 Menschen, darunter 130 aus Syrien.

Doch dabei wird es kaum bleiben. Die Eskalation der Gewalt im Irak und in Syrien und die innenpolitische Debatte um Flüchtlinge lassen ahnen, dass noch mehr Menschen nach Deutschland fliehen werden. Politiker und Menschenrechtler fordern eine großzügigere Asylpraxis.

Viele Jesiden, die in den vergangenen Wochen vor der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) geflohen seien, hätten Verwandte in Deutschland, sagte Kamal Sido, Nahostreferent bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen. Hunderte könnten versuchen, auf illegalem Wege einzureisen.

Bundesweit ächzen Kommunen bereits jetzt unter den finanziellen Lasten der Unterbringung von Menschen, die aus zentralen Aufnahmestellen wie in Bramsche zu ihnen kommen. Die Stadt Lüneburg etwa kündigte an, einen zweiten Block einer ehemaligen Kaserne anzumieten. In Braunschweig stellt die Stadtverwaltung bis zum Ende der Sommerferien eine Sporthalle für rund 120 Flüchtlinge zur Verfügung. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte am Dienstag vor einer Überforderung der Kommunen und forderte eine „Art Marshallplan“. Er sagte voraus, dass die Flüchtlingszahlen weiter steigen werden.

Das Innenministerium in Hannover teilte derweil mit, sollten Kommunen „tatsächlich an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, suchen wir natürlich nach schnellen, zweckmäßigen Lösungen“.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz sagte gegenüber dieser Zeitung, es sei wichtig daran zu arbeiten, dass Asylverfahren zügig durchgeführt werden können. Das Bundesinnenministerium habe dafür 300 neue Stellen erhalten.

Auch in der Aufnahmestelle Bramsche stellt der zunehmende Andrang die Bewohner und das Betreuungspersonal vor immer größere Herausforderungen. Die Gebäude wären ursprünglich so angelegt worden, dass sich vier Asylbewerber einen Raum von 27 Quadratmetern teilen – heute leben auf dieser Fläche bereits fünf Bewohner. Die meisten Flüchtlinge stammen aus Syrien, Albanien, dem Balkan und Afrika.