Hannover - Ein Stück Venedig an der Leine: Insgesamt 120 Stahlpfähle mit bis zu 22 Metern Länge stützen den gerade abgerissenen und künftig neuen Landtag am Flussufer der Landeshauptstadt. „Am Ende wird der Plenarsaal ein Pfahlbau sein“, schmunzelt der Geldgeber für den Repräsentationsbau, Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD).
Noch ist alles Zukunftsvision. Von oben sieht die Stelle, wo sich der alte Plenarsaal befand, wie ein überdimensionaler Sandkasten aus: Steinbrocken, Geröll, verbogene Moniereisen, kaputte Glasfenster, nackte Fensterhöhlen und ein Parlaments-Portikus der ins Leere blickt. Staub überall. Vor zehn Monaten drückte Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) irgendwo in diesem Nichts einen Roten Knopf: Symbolisches Startsignal zum Abriss. „Alles ist weg. Der Abbruch ist abgeschlossen. Jetzt beginnt der Wiederaufbau“, sagt Busemann beim Gang über die Großbaustelle. Die bisherige Bilanz: Neun Monate Arbeit, 14 000 Tonnen Abraum und 450 Lastwagen-Ladungen für den Abtransport auf Halden. Seit Juli 2014 wird der 1962 eröffnete Plenarsaal umfassend saniert. Der 1960er-Jahre-Bau von Dieter Oesterlen war zuletzt deutlich renovierungsbedürftig: Die Heizung war defekt, die Belüftung schlecht, es fehlten Tageslicht und Platz für Besucher.
Bisher wurden Kosten- und Zeitplan weitgehend eingehalten, betonen die stolzen Bau- und Hausherren, Schneider und Busemann. Allerdings sind erst 20 Prozent des Bauvolumens erledigt. Die Kosten für das gesamte Projekt des unter Denkmalschutz stehenden Plenarsaals werden mit 52,8 Millionen Euro veranschlagt. Dieser Rahmen soll gehalten werden.
Ein ehrgeiziges Ziel, genauso wie der geplante Bezug im Sommer 2017. „Die heutigen Abgeordneten werden noch in den neuen Plenarsaal einziehen“, verspricht Finanzminister Schneider. Ob das auch die Bauleute wissen?
Busemann visiert derzeit ein näheres Ziel an. „Wenn alles gut geht, findet am 14. Juli die Grundsteinlegung statt – in einem bescheidenen, aber durchaus angemessenen Rahmen“, setzt der Landtagspräsident auf wenig Pannen und gutes Wetter bis dahin.
