Casablanca/Hannover - Casablanca ist vielen Kinogängern wegen des gleichnamigen Filmklassikers mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann ein Begriff. Tatsächlich ist die Millionenstadt im Süden von Marokko heute die wirtschaftliche Lokomotive des nordafrikanischen Landes. Über den Hafen Casablancas werden 80 Prozent der Agrar-Importe des Landes abgewickelt. Marokkos Wirtschaft brummt – dank der guten Infrastruktur und wirtschaftsfreundlicher Reformpolitik. Auch deutsche Investitionen sind ausdrücklich erwünscht.
Roter Teppich für den Minister ausgerollt
Das alles hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Hinterkopf, als er mit 60 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden nach Marokko reist. Es gilt, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Und gleich zu Beginn der viertägigen Reise rollt ihm der Präsident des Regionalrats Casablanca-Settat, Abdellatif Maazouz, in seinem Amtssitz, gebaut im maurischen Stil, quasi den roten Teppich aus. Der 69-Jährige kommt ohne Umschweife zur Sache: Er wolle die Zusammenarbeit mit Deutschland vorantreiben. Die Rahmenbedingungen für Investoren seien bestens. Mit Salman Barrada stelle er eigens einen Berater ab, der sich um die Wünsche der Unternehmen kümmern werde. Angesichts einer Jugendarbeitslosigkeit von 30 Prozent in Marokko könne Deutschland hier dringend benötigte Fachkräfte anwerben und ausbilden. Für beide Seiten wäre das eine Win-Win-Situation, sagt Maazouz, der zwischen 2007 und 2012 auch schon einmal Außenhandelsminister seines Landes war. Er kennt Deutschland gut und hat selbst schon die Messe in Hannover besucht.
Das ist das Stichwort für Lies, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Messe AG ist. Der renommierte Marktplatz möchte sich nämlich weiter entwickeln. Die Deutsche Messe hat bereits ein weltweites Netzwerk geknüpft und organisiert exklusiv Messen an fünf Standorten – nämlich in Mexiko, der Türkei, Singapur und an zwei Standorten in China. „In Afrika sind wir unterrepräsentiert“, erklärt Reinhold Umminger, Projektdirektor der Messe AG. Das soll sich ändern.
Mit dem Medienhaus „Industrie du Maroc“ habe man einen potenten Partner in Marokko gefunden, so Umminger. Der organisiert bereits in Casablanca große Konferenzen und bringt die notwendige Expertise mit. In einem ersten Schritt könnte bereits im kommenden Jahr auf gut 4000 Quadratmetern der alten Messehallen von Casablanca die erste Hannover Messe auf afrikanischem Boden stattfinden. Parallel dazu soll sich auch die Technology Academy der Deutschen Messe in der Hafenstadt – mit 3,5 Millionen Einwohnern etwa so groß wie Berlin – ansiedeln. Da geht es um Schulungen und die Industrie 4.0. „Wir müssen allerdings schnell sein“, mahnt Umminger. Denn die „Gitex Dubai“ war auch schon in Casablanca und habe ebenfalls großes Interesse an einer intensiven Zusammenarbeit.
Marokko ebenfalls ein „Tor zur Energie“
Lies lobt das Gespräch mit Maazouz überschwänglich. Gerade mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2030, die in Marokko, Portugal und Spanien stattfindet, drücke das nordafrikanische Land wirtschaftlich auf die Tube. Eine Zusammenarbeit mit deutschen Firmen kann sich der Wirtschaftsminister bei der Wasser- und Abwasserwirtschaft, Automotive sowie der Agrarwirtschaft vorstellen. Und wie Niedersachsen sei Marokko das „Tor zur Energie“ und wolle die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien massiv ausbauen. Für das Anwerben von Fachkräften bedürfe es guter und stabiler Strukturen. In Maazouz habe Deutschland einen starken Fürsprecher. Der Regionspräsident bedankt sich bei Lies mit einem Bildband über das „Quartier Habous“, auch „Neues Medina“ genannt, im Südosten von Casablanca in der Nähe des Königspalastes. Weitere Gespräche führt Lies mit Tarik Moufaddak, dem Präsidenten der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energie (Masen), und mit Industrie- und Handelsminister Ryad Mezzour.
