Hannover - Die Grünen ließen sich bei der Besetzung des Justizministeriums fast zwei Tage Zeit. Am späten Sonnabend sei Antje Niewisch-Lennartz gefragt worden, ob sie das Ressort übernehmen wolle, hieß es. Erst am Montagnachmittag war die Personalie endgültig klar. Nach einer Sitzung der Koalitionsrunde der Grünen wurde die 61-jährige Verwaltungsrichterin per knapper Pressemitteilung der Öffentlichkeit vorgestellt. Niewisch-Lennartz ist Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Hannover und Ehefrau des früheren Grünen-Landeschefs Hans-Albert Lennartz.

Bis zuletzt waren bei den Grünen noch zwei Kandidatinnen im Gespräch. Als Alternative zu Niewisch-Lennartz, die als Favoritin galt, wurde noch die Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwältin Katja Keul aus Nienburg gehandelt. Die Entscheidung sei wegen beruflicher Überlegungen von Niewisch-Lennartz erst so spät gefallen, hieß es bei den Grünen. Allerdings war die Öko-Partei offensichtlich auch überrascht worden vom Angebot des designieren Ministerpräsidenten Stephan Weil, das Justizministerium übernehmen zu können. Die acht anderen Minister seines Kabinetts hatte Weil bereits am Sonntag vorgestellt.

Niewisch-Lennartz hat in Marburg studiert, war danach in der Geschäftsführung des Studentenwerks der Gesamthochschule Kassel tätig, bevor sie als Richterin an das Verwaltungsgericht Kassel berufen wurde. Später arbeitete sie unter anderem als Referentin für Justiz beim niedersächsischen Datenschutzbeauftragten. Niewisch-Lennartz ist seit 2005 Vorsitzende der 11. Kammer mit den Schwerpunkten Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Wirtschaft.

Nach dem Proporz der Grünen mussten die Ministerien der Öko-Partei gleichmäßig nach Geschlecht und Flügel verteilt werden. Zwei Männer waren nominiert, dazu eine Realo-Frau. Eine Frau, die dem linken Flügel nahe steht, ist nun gefunden.