Hannover - Die Zeugenliste wird immer länger. Im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker soll jetzt auch der umtriebige Finanzberater Carsten Maschmeyer, Ex-Chef des Finanzdienstleisters AWD, aussagen. Bringt die schillernde Figur der Hannover-Society und enger Freund von Ex-Bundespräsident Christian Wulff sowie Ex-Kanzler Gerhard Schröder endlich Licht in das Sponsoren-Dunkel um drei Promi-Partys („Nord-Süd-Dialog“) zwischen 2007 und 2009 der Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg? Glaeseker muss sich wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit verantworten, weil er – laut Anklage – vom wegen Bestechung mitangeklagten Party-Manager Manfred Schmidt Gratis-Urlaube für die Vermittlung von Sponsoren kassiert haben soll.

Der ehemalige AWD-Sprecher Béla Anda, der früher als Regierungssprecher Schröders fungierte, kann in Glaesekers Engagement nichts Verwerfliches entdecken. Glaeseker habe bei der Organisation der Promifeiern nur die Interessen Wulffs wahrgenommen, beteuert Anda am Montag als Zeuge vor Gericht. AWD waren die Glanz- und Glamour-Partys mit Tausenden Gästen viel Geld wert. Insgesamt 135 000 Euro spendierte der großzügige Finanzdienstleister. Pikant: Wulff persönlich soll als damaliger Ministerpräsident diesen Premium-Sponsor eingeworben und sogar um einen höheren Betrag gebeten haben. Wulff bestreitet jede Bettelei.

Glaeseker war laut eines Ex-Mitarbeiters Schmidts sehr hilfreich. Der 33-jährige Bürokaufmann führt gleich eine lange Liste mit Firmen auf, die Glaeseker als Finanzier der Partys besorgte, damit die sündhaft teuren Veranstaltungen überhaupt zweimal in Hannover und einmal in Stuttgart über die Bühne gehen konnten. „Glaeseker war der beste Vertriebler, den Schmidt hatte“, sagt der Ex-Mitarbeiter, der zugleich eine verschworene Gemeinschaft um den Party-Manager, zu dem Glaeseker ein „superenges Verhältnis“ gehabt habe, schildert. Ständig sei „eine Clique“ von „fünf bis zehn“ Vertrauten um den Event-Manager gewesen. Alles sei gemeinsam besprochen worden: „Ist der Koch gut, ist der Hund glücklich.“ Da schmunzelt der gesamte Gerichtssaal.

Weniger scherzhaft hat der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH), Andreas Tecklenburg, die letzte Party in Erinnerung. Da blieb die Hochschule auf einer Rechnung von über 5000 Euro sitzen. Niemand wollte für die eingesetzten Studenten zahlen.