NORDHOLZ/WILHELMSHAVEN/DJIBOUTI - Die Deutsche Marine schickt Anfang April einen Seefernaufklärer zur Jagd auf die immer dreister vorgehenden Piraten in den Golf von Aden. Das Flugzeug kann mit seinen scharfen Blicken, mit der neuartigen Kombination von Infrarotsensor und Kamera, auf dem „Hasch-Pfad“ vor dem Horn von Afrika auch kleine Schiffe und Boote bis auf eine Entfernung von 70 Kilometer genau identifizieren.
Von den Marinesoldaten auf Kriegsschiffen aus verschiedensten Nationen, die Handelsfrachter auf der lebenswichtigen Verbindung von Europa nach Asien vor Piratenübergriffen schützen, wird der Golf von Aden gerade auch wegen der illegalen Transporte von Rauschgift „Hasch-Highway“ tituliert.
Kontrolle aus der Luft
Bereits am Montag wollen sich 80 Soldaten vom Marinefliegergeschwader 3 in Nordholz auf den Weg nach Djibouti machen. Sie gehören zur Betreuungsmannschaft für den Seefernaufklärer vom Typ„ Lockheed P-3C Orion“.
„Unser Seefernaufklärer wird aus der Luft einen Beitrag zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus sowie von Menschenhandel, Drogenschmuggel und Waffentransporten leisten“, unterstreicht der Kontingentführer, Fregattenkapitän Mario Kaiser. Der 37-jährige Marineoffizier übernimmt am 9. April das Kommando über die deutschen Marinesoldaten in Djibouti.
Wenn die Besatzung des Aufklärungsflugzeuges Boote mit Seeräubern an Bord entdeckt, die ein Handelsschiff zur Kaperung ansteuern, können alle in der Nähe fahrenden Kriegsschiffe alarmiert und zur Hilfe gerufen werden. Nach Auskunft der Marine hat sich die Lage am Horn von Afrika und vor der somalischen Küste „überhaupt nicht entspannt“. Erst vor einigen Tagen haben die Seeräuber den griechischen Frachter „Titan“ gekapert. Danach haben sie zwei weitere Schiffe überfallen.
Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Geltow teilte auf Anfrage mit, dass sich gegenwärtig neun Handelsschiffe in der Gewalt der Piraten befinden. Weit über 30 Kriegsschiffe aus aller Welt sind zur Zeit vor Somalia im Einsatz gegen die Piraten. Die Suche nach ihnen gestaltet sich deswegen so schwierig, weil sie in einem Seegebiet operieren, das achtmal so groß ist wie die Bundesrepublik ist.
Marine schützt Frachter
Seit Februar gibt es einen Transitkorridor durch die gefährlichen Seeregionen. Die Frachter werden durch einen Marineverband geschützt, der aus deutschen, britischen, französischen, iranischen und amerikanischen Kriegsschiffen besteht.
Der Seefernaufklärer „Orion“ löst die Wilhelmshavener Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ ab. Sie hatte sich in den vergangenen Monaten an der Anti-Terror-Operation „Enduring Freedom“ (OEF) am Horn von Afrika beteiligt. Mit dieser Mission halten jeweils vier Kriegsschiffe der NATO seit langem zwischen den Küsten des Jemen, Omans, Pakistans und des Irans ständig Ausschau nach Seeverbindungen der Terroristen und nach Schmugglerschiffen mit Rauschgift und Waffen.
Nach der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ steht auch der Seefernaufklärer der Operation „Enduring Freedom“ zur Verfügung. Er wird aber darüber hinaus, wie die Fregatte es tat, ebenso im Rahmen der Operation „Atalanta“ der Europäischen Union (EU) vor der somalischen Küste Piraten jagen.
