NORTHEIM - Anja Piel machte gleich zu Beginn auf einen „Lapsus“ in ihrer Bewerbung aufmerksam. Sie habe natürlich nicht Abgrenzung gegen Schwarz/Grün, sondern gegen Schwarz/Gelb gemeint. Allgemeines Gelächter im Saal. Die restliche Rede der etwas nervösen Kandidatin löste keine Begeisterungsstürme aus. Piel wurde dennoch mit respektablen 82 Prozent als Nachfolgerin von Dorothea Steiner gewählt, die ihr Amt nach drei Jahren niederlegte. Es gab keinen Gegenkandidaten, dafür Blumen und Sekt.

Piel führt die Grünen in Niedersachsen damit künftig zusammen mit Co-Landeschefin Stefanie Henneke. Allerdings vorerst nur bis zum Februar 2011, dann muss sich die Doppelspitze turnusmäßig wieder zu Wahl stellen.

Der neue Landesvize kommt aus dem Nordwesten. Der frühere Landtagsabgeordnete Hanso Janßen aus Jade (Landkreis Wesermarsch) setzte sich in einer Kampfabstimmung klar gegen Nicolai Zipfel durch. Der 49-Jährige Janßen gilt als Umwelt- und Energieexperte. „Wer nach der Asse an Gorleben festhält, hat nichts begriffen“, sagte er in seiner Bewerbungsrede. Janßen übernimmt als Landesvize den bisherigen Posten von Piel im fünfköpfigen Vorstand. „Ich bin heute die Fleurop-Botin“, rief Henneke, als sie auch Janßen mit einem Blumenstrauß entgegeneilte.

Piel erklärte nach ihrer Wahl selbstbewusst, dass die Grünen bei der Landtagswahl 2013 ein „zweistelliges Ergebnis“ anstreben. Die Landeschefin kann sich wegen der ungelösten Endlagerfrage und der längeren Laufzeit von Atomkraftwerken keine Koalition mit der CDU vorstellen. „Mein Herz schlägt für Rot/Grün“, sagte Piel, die in der Partei eher dem linken Lager zugerechnet wird.

„Die Endlager-Konzeption hier in Deutschland ist auf ganzer Linie gescheitert“, sagte Landtags-Fraktionschef Stefan Wenzel in der emotionalen Debatte um Atomkraft. Ein Neubeginn bei der Suche sei absolut unverzichtbar. Wenzel warnte die CDU/FDP- Bundesregierung davor, in Gorleben vollendete Tatsachen zu schaffen. Bundestags-Fraktionschef Jürgen Trittin griff Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) an. „Röttgen ist nichts anderes als die nette Maske für den alten Mist“, wetterte Trittin. Die Laufzeiten von Atomkraftwerken müssten verkürzt werden und nicht verlängert. Die Grünen beschlossen eine Resolution gegen eine weitere Erkundung von Gorleben. Beim Thema Landwirtschaft forderten die Grünen faire Milchpreise und eine gentechnikfreie Produktion.