OLDENBURG/CHILE - Eine Suppenküche im armen Norden Chiles ist seit acht Monaten, der Einsatzort von Stefan Köhler. „Ich kannte Chile nur aus dem Geographiunterricht, als ich mich entschloss, dort meinen Zivildienst zu machen“, berichtet der Oldenburger über seinen Entschluss seinen Wehrersatzdienst als „Anderen Dienst im Ausland“ in dem südamerikanischen Land zu absolvieren.

Den gelernten Elektroniker für Betriebstechnik, der seine Ausbildung in Oldenburg gemacht hatte, reizte das Abenteuer und so flog er Anfang August 2008 in das Andenland, nachdem er zuvor schon ein halbes Jahr in Australien verbracht hatte. Seine erste Station in Chile war die Hauptstadt Santiago.

Keine Spanischkenntnisse

„Ich konnte bis dahin kein Wort Spanisch“, berichtet Köhler. In seiner Gastfamilie verständigte er sich mit Händen und Füßen. Innerhalb von drei Wochen lernte er die Grundkenntnisse und reiste Ende August mit geringen Sprachkenntnissen nach La Serena, in den Norden Chiles. Dort arbeitet er für den Trägerverein „Experiment“ für zehn Monate in dem Projekt „Hogar de Christo“, was soviel wie Heimstatt Christi heißt.

„Gemeinsam mit einem weiteren Zivildienstleistenden führe ich einen Comedor, eine Suppenküche, im ärmsten Viertel der Stadt“, berichtet Köhler über seine Arbeit. Für 40 Obdachlose Menschen ist diese Suppenküche eine Möglichkeit, eine warme Mahlzeit zu bekommen. Neben Kochen, Essen verteilen und Büroarbeit ist von den beiden Zivis dabei auch handwerkliches Geschick gefragt, wenn Stühle und Tische repariert werden müssen.

Neben der Arbeit in der Suppenküche ist Köhler auch bei weiteren Projekten in La Serena eingesetzt. Ob in einem Haus für Waisenkinder oder bei einem Projekt für minderjährige Mütter, er versucht die Betroffenen in ihrem Alltag zu unterstützen. Seit Februar besucht Köhler auch alte hilfsbedürftige Menschen in den ärmsten und teilweise gefährlichsten Gegenden der Stadt.

Berührende Momente

„Es gibt viele berührende und erschreckende Momente mit ,meinen’ chilenischen Kindern, Jugendlichen und Senioren“, beschreibt Köhler die Herausforderung seines Auslandaufenthaltes. Die erschütternde Armut und Hilflosigkeit der Menschen mache ihn fassungslos. Die Bilder von einfach auf Sand gestellten Bretterbuden wird er nie vergessen.

Erfolge machen Mut

Aber der Oldenburger nimmt auch viel mit aus dieser Zeit. „Während meines Aufenthaltes in Chile habe ich gelernt kleine Erfolge zu schätzen“, sagt Köhler. Das immer mehr Menschen in der Suppenküche Nahrung bekommen, macht ihm genauso Mut, wie das Beispiel der Mütter, die dank der Unterstützung durch das Hilfsprojekt ihren Alltag besser organisieren können. Vor allem aber sei es das Lächeln der Kinder, das immer wieder ein schönes Erlebnis sei.

Wenn Stefan Köhler Ende Juli wieder nach Deutschland zurückkehrt, will er am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung in Oldenburg seine Fachhochschulreife nachholen.

Die Kosten für seinen Zivildienst muss Köhler selbst tragen. „Ich lebe von dem Geld, dass ich während meiner Lehre gespart habe“, berichtet er.