OLDENBURG - In Erinnerung geblieben ist der unverwüstliche Humor. „Mein Onkel Erich war immer der Spaßmacher der Familie, ein Lebemann“, erinnert sich Dr. Helmuth Steenken aus Oldenburg an Erich Schiff. „Das hat sich nie geändert. Er war ungebrochen. Probleme wurden durch Lachen aufgelöst.“

Der jüdische Rechtsanwalt und Notar Erich Schiff, geboren in Elsfleth, entkam dem Rassenwahn des Nationalsozialismus in Deutschland nur knapp, überstand erst das Berufsverbot, die bedrückende soziale Ächtung durch seine Mitbürger und später eine schwere Zeit im Arbeitslager.

Die Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk Oldenburg und das Oberlandesgericht Oldenburg erinnern nun mit der Ausstellung „Anwalt ohne Recht“, initiiert von der Bundesrechtsanwaltskammer und dem Deutschen Juristentag, an die im Nationalsozialismus verfolgten jüdischen Anwälte.

Zu diesen gehörte in Oldenburg auch Ernst Löwenstein. Er wurde mit seinem Sohn ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Nach seiner Entlassung ging er nach Holland, wo er erneut verhaftet wurde. Später konnte er sich bei einem jüdisch-evangelischen Ehepaar verstecken und überlebte die Verfolgung mit schweren gesundheitlichen Schäden. Nach Kriegsende kehrte er im November 1945 nach Oldenburg zurück. 1951 wanderte er mit seiner Familie in die USA aus, deutschen Boden betrat er danach nie wieder.

Erich Schiff hingegen blieb in Oldenburg und arbeitete wieder als Rechtsanwalt. Sein Neffe Helmuth Steenken erinnert sich noch sehr genau an einen besonderen Nachmittag im Jahr 1945. „Die ganze Familie wurde zusammengerufen, und mein Onkel gab bekannt, dass er sich bereit erklärt hatte, beim ersten und einzigen Kriegsverbrecherprozess in Oldenburg einen SS-Offizier vor dem Militärgericht zu verteidigen. Dieser hatte während der Ardennen-Offensive ohne Grund Zivilisten getötet“, erzählt der 79-Jährige noch heute beeindruckt. „Schiff sagte zu uns, wir müssten wieder lernen, was eine unabhängige Justiz sei, wenn wir Demokraten werden wollten“, zitiert der pensionierte Augenarzt die Worte seines Onkels. „Ich war noch jung, aber die epochale Bedeutung dieses Satzes war mir gleich klar.“ Nicht alle jüdischen Anwälte aus dem Kammerbezirk Oldenburg überlebten die Zeit des Nationalsozialismus. So starben Georg Bodenheim, Rechtsanwalt aus Melle, und Dr. Adolf Cohen aus Osnabrück während der Verfolgung.