OLDENBURG - In Oldenburg wurden im vergangenen Jahr fast 1300 Farbschmierereien angezeigt – weit mehr als im Umland.
Von Reiner Kramer
OLDENBURG - Festnahme, Hausdurchsuchung, Gerichtsverhandlung – „das willst du kein zweites Mal mitmachen“, sagen Bartosz Boron (26) und Florian Munzel (27). Grund dafür: Die Oldenburger hatten illegal ihre Graffitis an Wände gesprüht. Das war vor zehn Jahren. Heute malen sie ausschließlich auf freigegebenen Flächen. Für Jugendliche, die lediglich ihre Tags (Schriftzeichen) auf Häuserwände schmieren, haben sie wenig übrig.Ein Schaden von rund 200 Millionen Euro entsteht dadurch im Jahr in Deutschland. Auch in Oldenburg ist der Schaden beträchtlich. 1281 Fälle von Sachbeschädigungen durch Farbschmierereien hat die Polizei Oldenburg im vergangenen Jahr gezählt – „ein Anstieg von 28 Prozent gegenüber 2003“, erläutert Johann Kühme, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Oldenburg. Jüngst wurde das Aktionsbündnis „Frischer Anstrich für Oldenburg“ von Präventionsrat, Stadtverwaltung, Handwerk, Polizei sowie Bürger- und Hausbesitzervereine gegründet, um dieses Problem zu bekämpfen, etwa mit einem Fond: Die Kosten für die Entfernung frischer Graffitis werden bis zu 40 Prozent erstattet. Außerdem sollen Sprayern Flächen für legale Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden.
Bei der Polizei arbeiten Spezialermittler und Streifendienst gemeinsam gegen die illegale Sprayer-Szene: 50 Prozent der Fälle konnten 2004 aufgeklärt werden. Weiteren Erfolg erhofft sich PI-Leiter Kühme von dem Vorstoß der Bundesregierung, künftig Schmierereien strafrechtlich zu verfolgen, auch wenn sie die Substanz des Gebäudes nicht beschädigen: „Das wirkt abschreckend.“
Eine regelrechte Sprayer-Szene wie in Oldenburg gibt es in Wilhelmshaven nicht. Dort seien im vergangenen Jahr lediglich 134 Farbschmierereien angezeigt worden, berichtet Werner Rockmann, Leiter des Fachkommissariats für Jugendkriminalität bei der PI. Die Dunkelziffer liege aber höher, sagt der Experte.
In Delmenhorst gibt es nur eine „unstrukturierte Anzahl“ von Sprayern, sagt Stadtsprecher Timo Frers. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 101 Farbschmierereien. „Der Tiefstand ist Resultat unserer Präventionsarbeit“, so Frers. Eine Arbeitsgruppe des Krimimalpräventiven Rates – ein Zusammenschluss aus Stadt und Polizei – beschäftigt sich mit dem Thema. Als „nicht sinnvoll“ beurteilt es der Rat, den Jugendlichen Flächen für legales Sprayen zu öffnen – anders als es in Oldenburg geplant und von den Graffiti-Künstler Boron und Munzel gutgeheißen wird.
