OLDENBURG/HANNOVER - Die Ausbootung des Oldenburger Verbundes bleibt rätselhaft. Beobachter vermuten Vorabsprachen.
von carl-friedrich ehlers
OLDENBURG/HANNOVER - Als in einer Mitarbeiterversammlung des Landeskrankenhauses Wehnen am 2. September 2005 das Land Niedersachsen die Bediensteten für den Verkauf „ihrer“ Klinik erwärmen wollte, schickte die damals zuständige Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihren Staatssekretär Dr. Gerd Hoofe in dieses von vornherein aussichtslose Rennen.Hoofe hatte gegen die über die geplante Verscherbelung der Klinik wütende Belegschaft keine Chance und holte sich Beule auf Beule. Zwei Ereignisse waren in dieser Versammlung bemerkenswert: Als der vom Land als Experte für erfolgreiche Privatisierung von Kliniken eingeflogene Jörg Hemmersbach über seine positiven Erfahrungen berichten wollte, sorgte ein minutenlanges Pfeifkonzert dafür, dass Hemmersbach nicht weitersprechen konnte. Als dann noch der NWZ -Redakteur durch die Pressesprecherin Iris Bethge des Saales verwiesen werden sollte, weil es um vertrauliche Dinge gehe, sorgte die Belegschaft durch anhaltende Proteste dafür, dass die NWZ bleiben durfte.
Dass von der Leyen damals die Versammlung in Wehnen „schwänzte“, war von ihr aus heutiger Sicht wohl eher klug. Ihr Ruf erlitt keinen Schaden und sie zog nach den Bundestagswahlen als Familienministerin nach Berlin. Auch Staatsekretär Hoofe und Pressesprecherin Bethge bereuten den Einsatz in Wehnen nicht. Sie durften mit in die Hauptstadt.
Die Rolle des seinerzeit am Reden gehinderten Jörg Hemmersbach wird erst heute richtig klar. Er hatte nach NWZ -Informationen im Jahre 2004 beim anstehenden Verkauf der Landeskrankenhäuser Schleswigs-Holsteins als Geschäftsführer der Psychiatrium-Gruppe versucht, für diese Gruppe ein Management-Buy-Out-Modell zu verwirklichen. Dazu hatte er als Berater Pricewaterhouse Coopers verpflichten wollen. Dieser Deal scheiterte jedoch, die Gruppe wurde an Ameos verkauft, und Hemmersbach ist dort weiter Geschäftsführer. Als solcher gab er dann 2005 dem Land Niedersachsen Tipps über Fragen der Privatisierung und ließ sich auch für den (dann vergeblichen) Auftritt in Wehnen verpflichten.
Als jetzt im Rahmen des Bieterverfahrens eine vierköpfige Ameos-Delegation Wehnen besuchte, um sich in dem geheimen Lokaltermin „Datenräume“ öffnen zu lassen, war Hemmersbach wieder dabei. Diesmal allerdings nicht als Berater oder „Schönredner“, sondern als Vertreter des Bieters. Ihm gegenüber saßen die Berater von Pricewaterhouse Coopers.
Diese und andere Vorgänge wie die Geschäftsbeziehungen zwischen Bieter-Konzern Ameos und Berater-Konzern PWC (siehe Ausriss) verstärken nicht nur bei den Bediensteten den Verdacht, dass das ganze Bieterverfahren im Grunde eine Farce ist. Die selbst für CDU-Landtagsabgeordnete absolut unverständliche frühzeitige Ausbootung des regionalen Bieters „Psychiatrieverbund Oldenburger Land“ nährt den seit dem Verkaufsbeschluss kolportierten Verdacht, dass das Land gerade für Wehnen einen besonders finanzstarken Partner – wie Ameos – sucht. Während sich ebenso hartnäckig unabhängig von EU-weiter Ausschreibung und Berater-Tätigkeit das Gerücht hält, dass das Landeskrankenhaus Lüneburg einem kommunalen Bieter so gut wie versprochen ist und in Osnabrück die Kirche mit Gottvertrauen und Landessegen auf den Zuschlag für die dortige Landesklinik wartet.
