OLDENBURG - Glaubwürdigkeitsgutachter Max Steller hat keine Zweifel: Für ihn ist der angeklagte Nikolai H. der Holzklotz-Werfer. Bei seinem zweiten Prozess-Auftritt bekräftigte er seine Einschätzung von vor dreieinhalb Wochen. Die detailreichen Schilderungen in den Vernehmungen sprächen dagegen, dass H. die Tat lediglich beobachtet habe. Steller schloss auch aus, dass H. mit seinem Geständnis andere Personen schützen wollte. Mit diesen Überlegung hatte Verteidiger Matthias B. Koch den Berliner Psychologen konfrontiert.

Die Aussage des renommierten Glaubwürdigkeitsgutachters gilt nach Meinung von Prozessbeobachtern als entscheidend für den Verfahrensausgang. Dies ist wohl auch der Grund, warum einer der drei Verteidiger den Gutachter am Freitag als befangen ablehnte. Ein Schreiben von Anwalt Andreas Schulz hatte das Gericht vor Sitzungbeginn per Fax erreicht.

Zusammen mit Oliver Wallasch und Pflichtverteidiger Matthias B. Koch vertritt Schulz den Angeklagten. Wallasch und Schulz nahmen aber nur an den ersten der bislang 27 Sitzungen teil. In dieser Woche sorgten die beiden bundesweit für Aufsehen: Sie vertreten die mutmaßlichen somalischen Piraten, die die Bundesregierung verklagt haben (NWZ berichtete).

Nach Angaben eines Gerichtssprechers wirft Schulz dem Sachverständigen im Holzklotz-Fall vor, er habe bereits vor der Gutachten-Erstattung im Gericht mit Dritten über seine Analyse gesprochen. Schulz verlangt eine dienstliche Stellungnahme des Gutachters. Das Gericht lehnte dies am Freitag ab.

Abgesprochen unter den Anwälten war der Vorstoß offenbar nicht. Koch zeigte sich überrascht. Kommentieren wollte er das Vorgehen seines Kollegen nicht.

Sorgen bereitet Koch der Gesundheitszustand seines Mandaten. H. könne sich schlecht konzentrieren und rege sich schnell auf. Deshalb war am Donnerstag eine Kernspintomographie angesetzt. Die Untersuchungen kam aber erst nach langem Hin und Her zustande. H. hatte zunächst erklärt, er habe keine Lust dazu. Der Vorsitzende Richter kritisierte dieses Verhalten am Freitag ungewöhnlich scharf: „So etwas lasse ich mir nicht noch einmal bieten.“

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