Oldenburg/Huntlosen - Hinter uns liegt ein Jahr des Ausnahmezustands, das viele Menschen an ihre Belastungsgrenzen gebracht hat. In der anhaltenden Corona-Pandemie werden wir zunehmend dünnhäutig, haben unsere Emotionen oft nicht so unter Kontrolle, wie wir es gern hätten, neigen zu Überreaktionen – gerade in der Kommunikation mit den Menschen, die uns am nächsten stehen.
In unserem Audio-Interview zum Corona-Update spricht Christiane Gaefke mit der Online-Redaktion der Nordwest-Zeitung über „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK) und wie diese Form des gegenseitigen Verstehens helfen kann, Konflikte ohne Eskalation zu lösen – sondern so, dass sich alle Beteiligten gut und verstanden fühlen. Sie erklärt, weshalb gerade jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um sich mit GFK zu befassen.
Verbindung herstellen
Christiane Gaefke ist Trainerin für „Gewaltfreie Kommunikation“. Sie sagt: „Gewaltfreie Kommunikation ist eine Haltung, die auf folgender These beruht: Wenn ich mit jemandem einen Konflikt habe, und ich verstehe, worum es meinem Gegenüber und worum es mir gerade tatsächlich geht, entsteht eine Verbindung zwischen uns. Mit dieser Verbindung bin ich eher bereit, eine gute Lösung zu finden.“ In der GFK geht es darum, einander zu verstehen. Grundlegende Annahme ist, dass „jeder immer einen guten Grund hat für das, was er tut“, sagt Gaefke. Anders ausgedrückt: Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse. Um diese erfüllt zu bekommen, wenden wir aber unterschiedliche Strategien an. „Weil die unseren Handlungen zugrunde liegenden Bedürfnisse für alle gleich sind, können wir das nutzen, um eine Verbindung herzustellen. Wenn wir die erreicht haben, sind wir deutlich offener dafür, Strategien zu finden, die beide Seiten berücksichtigen.“
Christiane Gaefke erklärt auch, wie GFK in der Corona-Zeit vor allem im Familienleben, in Paarbeziehungen und im Arbeitsleben hilfreich ist: „Diese drei Bereiche decken einen Großteil unsere Beziehungen ab, und gerade in Corona-Zeiten sind Beziehungen unglaublich wichtig. In unseren engeren Beziehungen finden aber auch die meisten Konflikte statt. Wenn wir diese Konflikte auf die klassische Art führen, mit Gewinnern und Verlierern, schwächt das jedes Mal die Beziehung.“ Gewaltfrei gelöste Konflikte könnten die Beziehung und das dazugehörige Vertrauen hingegen sogar stärken.
Ressourcenschonend
Außerdem sei GFK ressourcenschonend: „Ein mit GFK geführter Konflikt hat immer zum Ziel, ganz konkrete Lösungen zu finden.“ Wenn es etwa Schwierigkeiten bereitet, Homeoffice, Homeschooling und Haushalt unter einen Hut zu bringen, könne man mithilfe der GFK genau betrachten, an welchen Stellen es hakt und welche Lösungen für die Beteiligten – Kinder, Partner, Vorgesetzte – gute Lösungen wären. „Die wenigen Kräfte, die ich habe, kann ich so ganz gezielt einsetzen“, sagt die GFK-Trainerin.
