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Ns-Zeit Akten sollen Morde an Kranken belegen

OLDENBURG - Ein Aktenfund bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Oldenburg-Bremen könnte neues Licht auf die Krankenmorde im Nationalsozialismus im Oldenburger Land werfen. Am Dienstag präsentierte Dr. Ingo Harms von der Forschungsstelle Geschichte der Gesundheits- und Sozialpolitik der Uni Oldenburg eine Auswahl der Dokumente.

Der Wissenschaftler hofft, anhand der Funde belegen zu können, dass nicht nur geistig behinderte Menschen zu NS–Zeiten systematisch getötet wurden, sonder auch kranke und dadurch nicht mehr kriegstaugliche Menschen.

„Es handelt sich um Akten auf 160 Metern, dreiviertel davon enthalten Röntgenaufnahmen. Interessanter ist das andere Viertel, nämlich Patientenakten und Krankenblätter“, sagte Harms.

Im damaligen Land Oldenburg hat es laut Harms in die größte Dichte an sogenannten „Sonderkrankenhäusern“ gegeben, die offiziell zur Katastrophenmedizin gebaut wurden. Dies waren die drei Einrichtungen Kloster Blankenburg in Oldenburg, Hosüne (Kreis Oldenburg) und Hahn-Lehmden (Kreis Ammerland), die auch die ersten ihrer Art waren. Es gab 50 baugleiche Einrichtungen im Deutschen Reich. Der umfangreichste Fund beinhaltet Akten aus dem Krankenhaus Hosüne. 215 Patienten sollen dort innerhalb von 15 Monaten verstorben sein. Die Akten sollen Aufschluss darüber liefern, ob diese Zahl im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Patienten so hoch war, dass der systematische Mord bewiesen wäre. „Wenn die Sterberate über 15 Prozent liegen sollte, kann man davon ausgehen“, sagte Harms. Unter den Patienten seien auch Ausländer, Zwangsarbeiter und ausgebombte Zivilisten gewesen.

„51 Betten durch Überprüfung frei geworden“, ist in einem Bericht zu lesen. Harms vermutet dahinter eine der gängigen Beschönigungen. „Bei 48 Prozent der Todesfälle ist Abmagerung die Ursache“, sagte er. Den Verdacht, dass geschwächte Patienten bewusst mit Patienten zusammengelegt wurden, die offene Tuberkulose hatten, und sich infizierten, will er belegen.

1945 wurde die Klinik Hosüne von den Briten übernommen. Harms will auch herausfinden, wie die Besatzungsmächte mit der „Euthanasie“ umgegangen sind. Sollte er die nötige Finanzierung für das Forschungsvorhaben bekommen, rechnet er in zwei Jahren mit Ergebnissen.

Warum die Dokumente erst jetzt aufgetaucht sind, erklärte DRV-Pressesprecher Thomas Rathmann damit, dass sie in Vergessenheit geraten waren. „Die Bedeutung dieser Akten war uns nicht bewusst“, sagte er. Erst durch Harms Anfrage war man auf die Unterlagen gestoßen.

NWZ

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