OLDENBURG/OSNABRüCK - War die nationalsozialistische „Volksgemeinschaft“ nur Mythos und erfolgreiche Propagandaformel oder war sie so etwas wie soziale Verheißung, die sich in der Realität widergespiegelte? Um diese Kernfrage geht es in einem historischen Forschungsverbundprojekt, das vom Land Niedersachsen aus Geldern des Niedersächsischen Vorab der Volkswagen-Stiftung mit 1,2 Millionen Euro gefördert wird. Der Titel: „Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft’?: Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort“.

Die Universität Oldenburg, die durch den Geschichtsdidaktiker Professor Dr. Dietmar von Reeken vertreten ist, erhält rund 270 000 Euro. Hier sind drei Teilprojekte zu den Themenbereichen „Stadt Wilhelmshaven“, „Lager“ und „Volksschullehrer“ angesiedelt. Beteiligt sind auch die Universitäten Osnabrück, Göttingen und Hannover.

Untersucht werden soll, mit welchen Instrumenten die Volksgemeinschaft propagiert wurde und welche konkreten inhaltlichen Bezüge dabei eine Rolle spielten. Eine Frage ist auch, in welchem Maße es nach 1945 zu einem Fortwirken und einer bewussten Tradierung oder aber zu einer kritischen Erinnerung an die nationalsozialistische Idee der Volksgemeinschaft kam. Man erhoffe sich von dem Projekt, so von Reeken, „neue, grundlegende Erkenntnisse über das ‚Funktionieren’ des NS-Staates und zu der Frage, wie aus ‚Volksgenossen’ nach 1945 demokratische Staatsbürger wurden“.