OLDENBURG - Draußen auf dem Rasen vor dem Wohnblock spielen Kinder. Ihr Lachen dringt durch das offene Fenster ins Wohnzimmer. Maryam Noor (31) sitzt auf dem Sofa und kann ihre Tränen nicht verbergen. Sie vermisst ihre Kinder Aisha (11) und Yassin (10) – und das schon seit fünf Jahren. Der Kampf mit den Behörden um die Aufenthaltsgenehmigung für Sohn und Tochter, die bei ihrer Großmutter in Malindi in Kenia leben, hat bei der jungen Frau sichtlich Spuren hinterlassen.
2004 folgte die Kenianerin ihrem deutschen Ehemann nach Oldenburg und ließ die Kinder bei ihrer Mutter – wie sie glaubte, vorübergehend. Ihr Mann hatte versprochen, ihre Kinder nachzuholen – nicht das einzige Versprechen, das er brach. Plötzlich stand sie dann alleine da in Oldenburg: Ein Jahr nach der Hochzeit starb der Ehemann. Seitdem kämpft die junge Frau darum, ihre Kinder zu sich und ihrem Lebensgefährten Thomas Hassanetz (38) nach Oldenburg zu holen und zu dem drei Jahren alten gemeinsamen Sohn Sven Niklas, der zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der NWZ im Kinderzimmer schlummert. Neben seinem Bettchen steht ein Doppelstockbett für Aisha und Yassin. Doch es sieht so aus, als würde es noch eine Weile leer bleiben.
Unterhalt gesichert
„Dabei haben wir doch alles getan, was die Behörde von uns verlangt hat“, sagt Thomas Hassanetz. Die hatte von der jungen Frau zunächst verlangt, dass sie Deutsch lernt und eine Arbeit findet, um den Lebensunterhalt für die Kinder sicherzustellen. Maryam Noor erfüllte die Anforderungen strebsam und zielgerichtet: Heute kann sie Behördenvorgänge flüssig in der ihr fremden Sprache erklären – und nach Praktika und unbezahlten Probearbeiten hat sie eine Stelle in einem Schnellrestaurant gefunden. Thomas Hassanetz hat notariell beglaubigt erklärt, dass auch er für die Kinder aufkommt. Auch die GSG als Vermieter hat inzwischen bescheinigt, dass sie nichts dagegen hat, wenn die Kinder in die gemeinsame Wohnung ziehen.
In dem sicheren Gefühl, dass dem Zuzug der Kinder damit nichts mehr entgegensteht, haben Noor und Hassanetz sich Tickets für den Flug nach Kenia vom Munde abgespart. Am 17. Oktober sollte der Flieger gehen – sie wollten die Kinder endlich holen, zumal die Kräfte der Großmutter schwinden, wie ein Arzt bestätigte.
Visa liegen auf Eis
Doch daraus wird voraussichtlich nichts werden, wie Noor und Hassanetz nun bei der Oldenburger Ausländerbehörde erfuhren. Die verlangt zusätzlich zu den bereits erfüllten Bedingungen, dass Noor und Hassanetz erstens die kenianischen Geburtsurkunden für die Kinder beglaubigen lassen (250 Euro) – und dann per DNA-Test nachweisen, dass die beiden Kinder wirklich von Maryam Noor abstammen (zwischen 500 und 1000 Euro). „Und was kommt dann noch?“, fragt Noor und wieder fließen Tränen. „Ich glaube, man will gar nicht, dass meine Kinder bei mir leben.“
Ralph Wilken vom Bürger- und Ordnungsamt, dem die Ausländerbehörde untersteht, sieht das anders. „Das auswärtige Amt fordert von uns, dass wir in bestimmten Ländern DNA-Tests verlangen, weil dort das Urkundenwesen nicht sicher ist.“ Kenia gehöre dazu. Dass man das der Familie erst jetzt gesagt hat, sei kein Fehler: „Erst musste klar sein, ob überhaupt der Lebensunterhalt gesichert ist“, sagt Wilken. Dass die geforderten Unterlagen bis zum 17. Oktober vorliegen, hält er für kaum möglich.
Ohne „Grünes Licht“ aus Oldenburg aber gibt die deutsche Botschaft den beiden Kindern keine Visa für Deutschland. „Wir werden an dem Verfahren beteiligt“, sagt Wilken, „und wir müssen alle Voraussetzungen gründlich prüfen.“ Maryam Noor habe zwar wegen des Kindes mit einem Deutschen ein Aufenthaltsrecht – das aber gelte nicht automatisch für ihre anderen Kinder. Auch wenn Thomas Hassanetz klarstellt: „Ich komme für die Kinder auf – egal was passiert.“
Hoffnung schwindet
Nach Kenia fliegen wollen Hassanetz und Noor nun vorerst nicht. „Ich kann nicht wieder weinende Kinder am Flughafen zurücklassen“, sagt Maryam Noor. Wo sie die 1000 Euro für den DNA-Test nehmen sollen, weiß sie nicht. Die Stadt kann nicht helfen: „Wir sind kein Kostenträger“, sagt Ralph Wilken. „Langsam“, sagt Noor, „verlässt mich die Hoffnung“.
