OLDENBURG - Der Amoklauf von Winnenden hätte auch mit einem schärferen Waffengesetz wohl nicht verhindert werden können. „Der Täter verstieß gegen geltendes Recht“, sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) beim Landesdelegiertentag des Nordwestdeutschen Schützenbundes (NWDSB) am Sonnabend in Oldenburg.

Die Tagung stand unter dem Einfluss der schrecklichen Tat vom 11. März, bei der ein 17-Jähriger mit der Waffe seines Vaters – Mitglied in einem Schützenverein – 15 Menschen getötet hatte. „Wir sind besser als unser Ruf“, sagte NWDSB-Präsident Jonny Otten. 185 Sportschützen repräsentierten beim Verbandstag die mehr als 100 000 NWDSB-Mitglieder.

Ehrengäste aus Sport und Politik sprachen den Angehörigen der Opfer von Winnenden ihr Beileid aus, betonten aber auch, dass nicht alle Sportschützen über einen Kamm geschert werden dürften. Schünemann sprach sich aber dafür aus, stichpunktartig Kontrollen durchzuführen. Der Amoktäter hatte freien Zugang zu den Waffen seines Vaters. Das Gesetz sieht vor, dass Gewehre und Pistolen so aufbewahrt werden müssen, dass nur der Besitzer Zugang besitzt. Das war im Haus des Todesschützen nicht der Fall.

Auch Josef Ambacher, Präsident des Deutschen Schützenbundes, rief die Anwesenden auf, sich der Gefahren bewusst zu sein und nach dem Gesetz zu handeln: „Unser Ruf hängt davon ab." Und der sei immer noch in Takt, bescheinigte Thomas Kossendey (Edewecht), CDU-Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, denn „die Schützenvereine sind nicht nur ein Ort des Sports, sondern übernehmen auch wichtige kulturelle und gesellschaftliche Aufgaben in den Gemeinden."

„Die Sportler bemühen sich um junge Leute, damit es eben nicht zu solchen Vorfällen wie in Winnenden kommt“, betonte Kossendey. Zugleich sprach er sich für ein Umdenken in der Gesellschaft aus: „Wir müssen wieder zu einer Kultur des Hinsehens und des aufeinander Achtens kommen.“

Innenminister Schünemann zeigte sich überzeugt, dass in der Jugendarbeit der Schützenvereine „Disziplin, Respekt und andere Werte“ gut vermittelt würden. Dem stimmte Josef Ambacher zu und sagte: „Die Jugend ist in den Schützenvereinen integriert und findet dort eine sinnvolle Aufgabe."

Oldenburgs Bürgermeisterin Rita Schilling lobte das Verantwortungsbewusstsein der Schützen. Das zeige sich auch darin, dass sie sich mit dem Thema Winnenden offensiv auseinandersetzten.