OLDENBURG - OLDENBURG - Ganz sicher ist man bei Parteien nie, doch kurz vor dem Wahl-Parteitag der SPD (Sonnabend ab 9.30 Uhr im Stadthotel) sieht es so aus, als gingen die Sozialdemokraten mit einer weitgehend unveränderten Spitze in die Landtagswahl. Der Vorsitzende Wolfgang Wulf steht nach der Vorstandssitzung ebenso auf dem „Personalvorschlag“ wie seine Stellvertreter Gesine Multhaupt und Bernd Bischoff.
„Ich mache weiter“, sagt Wulf (55), der die Partei seit 2001 führt und vor acht Wochen noch einmal für den Landtag nominiert worden ist. So entschlossen klang er nicht immer. Nach dem Desaster bei Oberbürgermeister- und Ratswahl hatte er durchblicken lassen, er klebe nicht an seinem Stuhl. Inzwischen aber spricht er davon, dass ihn so viele zum Bleiben aufgefordert hätten, dass er nun auch kandidiere, wenn noch jemand antrete (wonach es derzeit nicht aussieht). Die Aufforderungen zum Verbleib sind offenbar überwiegend unterhalb der Öffentlichkeitsschwelle erfolgt.
Die Bundestagsabgeordnete Gesine Multhaupt (43), in der viele die nächste Parteivorsitzende sehen, bleibt bei ihrer defensiven Haltung: „Wenn Wulf sagt, ich trete an, dann wird er wieder Vorsitzender“, meint sie, blickt aber auch über diesen Tag hinaus: „Der Parteitag ist nur eine Etappe im Prozess der Neuaufstellung der SPD.“
Bleiben will auch Vize Bernd Bischoff (51). Der Ratsherr spricht von guter Teamarbeit, die er fortsetzen möchte und bezieht dabei ausdrücklich Gesine Multhaupt ein, der er zweimal vergeblich die Bundestagskandidatur streitig zu machen versucht hatte.
Gehen wird Bernd Hörnig, der seine vier Stellvertreter-Jahre eher unauffällig absolviert hat. Von seinem mutmaßlichen Nachfolger Christoph Sahm (32) ist anderes zu erwarten. Der Jung-Ratsherr und Vorsitzende der Selbstständigen wird das Amt als Karriere-Sprungbrett nutzen, um den nächsten Anlauf auf die Bundestagskandidatur gegen Multhaupt besser vorzubereiten als den kurz vor dem Showdown abgebrochenen ersten vor der Wahl von 2005.
Aufsteiger Jürgen Krogmann (43), der Heike Bockmann die Landtagskandidatur abgeknöpft hat, wäre in manchen Augen auch ein Kandidat für die engere Führung. Der Ex-Stadtsprecher schließt das nicht aus, drängt sich aber auch nicht vor. Aktuell überlässt er Sahm das Feld – eine Revanche für dessen Hilfe beim Coup gegen Bockmann.
Dass in der SPD auch andere Modelle kursieren (ohne Wulf oder ohne Multhaupt), weiß der Vorsitzende. „Dann sollen die aus der Deckung kommen“, sagt er trotzig.
