OLDENBURG - „Sehr würdig und ergreifend“ war für Monica Melloh die Trauerfeier in Selsingen für die drei am Karfreitag im afghanischen Kundus gefallenen Soldaten. Angesichts der großen Anteilnahme in der Bevölkerung sieht sich die 58-jährige Oldenburgerin einmal mehr in ihrer Arbeit in dem von ihr Ende 2007 gegründeten „Gelben Netzwerk der Solidarität“ bestärkt. Mit gelben Schleifen, zu tragen am Revers oder gedruckt auf T-Shirts, möchte sie Soldaten und Reservisten, aber auch Angehörige von Hilfsorganisationen und der Polizei unterstützen und ein Zeichen der Solidarität setzen.

Das Telefon bei Melloh steht seit Tagen nicht mehr still und auf ihrem Computer treffen reihenweise Bestellungen für gelbe Schleifen aus ganz Deutschland, aber auch aus Norwegen, Dänemark und den Vereinigten Staaten. „Wir waren auf dieses unerwartete Interesse nicht eingestellt und unsere Vorräte waren in kürzester Zeit erschöpft. Ich hoffe aber, dass wir in einer Woche eine neue Lieferung erhalten“, berichtet Melloh. Zusätzlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen beim Verpacken und Versenden der Bestellungen.

Die gelbe Schleife ist für Melloh „ein historisch unbelastetes und zeitloses Symbol des Vertrauens in die Menschen, die in aller Welt im Einsatz sind“. Vor allem die Soldaten sorgten dafür, „dass wir zuhause frei und friedlich leben können.              Die Idee für dieses Zeichen der Solidarität war der ehemaligen Krankenschwester bei der Rede eines Offiziers gekommen, als ihr Sohn Marcus als Zeitsoldat diente. „Der Kommandeur hatte davon gesprochen, wie wichtig der Rückhalt in der Bevölkerung für die Soldaten ist“, erinnert sich Melloh. Andere Länder zeigten schon längst öffentlich und selbstbewusst ihre Sympathie für ihre Soldaten.

Ein Lied im Radio aus einer amerikanischen Bürgerkriegssaga aus dem 19. Jahrhundert führte schließlich zur gelben Schleife. Damals schrieb ein Soldat der Südstaaten an seine Frau daheim, dass sie ein gelbes Tuch in eine alte Eiche hängen solle, wenn sie ihn noch liebe. Als der Soldat nach langer Gefangenschaft nach Hause kam, sah er das Tuch im Baum hängen.

In den beiden Weltkriegen und ganz besonders bei der jahrelangen Geiselnahme von US-Diplomaten in Teheran trugen viele Amerikaner eine gelbe Schleife als Zeichen der Unterstützung.

Auch bei Monica Melloh wurde aus dem gelben Tuch eine gelbe Schleife Inzwischen hat sie mehr als 50 000 Anstecker, Bänder, T-Shirts und Autoaufkleber verkauft. Und nach den Anschlägen in Kundus ist das Interesse noch einmal stark angestiegen. „Das Schicksal unserer Soldaten findet in der Bevölkerung offenbar ein immer größere Interesse“, glaubt Melloh. Aus dem Erlös gehen 20 Prozent als Spende an die Organisation „Lachen helfen“, die Hilfsprojekte für Kinder in Kriegsgebieten unterstützt.

Auch die Politiker haben inzwischen die gelben Schleifen für sich entdeckt. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat das Solidaritätszeichen in der Öffentlichkeit ebenso getragen wie der Edewechter Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU) oder der frühere SPD-Chef Franz Müntefering.

Zu denen, die die Schleife bestellen, gehören auch viele Angehörige und Freunde von Soldaten, die noch im Auslandseinsatz sind oder gerade nach Hause zurückgekehrt sind. Ehemalige Soldaten und selbst Veteranen aus dem 2. Weltkrieg unterstützen die Aktion.

Besonders gefreut hat sich Monica Melloh auch über Anrufe von etlichen Pfarrern und Pastoren, die ihr weiterhin viel Glück und Erfolg gewünscht haben: „Die Zustimmung von allen Seiten tut mir sehr gut. Schließlich liegt mir das Gelbe Netzwerk sehr am Herzen. Wir müssen künftig noch mehr hinter unseren Soldaten und ihren Familien stehen“.