Oldenburg - „Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Behandlungen Sie haben möchten und welche nicht, falls Sie in eine Notsituation kommen und Ihren Willen nicht mehr äußern können. Sprechen Sie mit Angehörigen darüber. Verfassen Sie eine Patientenverfügung und benennen Sie einen Vorsorgebevollmächtigten, der Ihre Wünsche kennt.“ Dazu hat Dr. med. Martina Wenker, Fachärztin für Innere Medizin und Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen in ihrem Vortrag beim Gesundheitsforum aufgerufen. „Sie helfen damit Ihren Angehörigen und den Ärzten, eine Entscheidung in Ihrem Sinn zu treffen“, fügte sie hinzu.
Dass so eine Situation ganz plötzlich eintreten kann und sich deshalb auch junge Menschen mit dem Thema befassen sollten, verdeutlichte Wenker anhand des Beispiels der US-Amerikanerin Terri Schiavo. Diese erlitt mit 27 Jahren einen Zusammenbruch und lag anschließend aufgrund einer schweren Gehirnschädigung durch Sauerstoffmangel im Wachkoma.
Bekannt wurde ihr Fall, weil ihr Ehemann schließlich dafür eintrat, die künstliche Ernährung zu beenden. Schiavos Eltern kämpften für die Fortsetzung. Beide Parteien gingen vor Gericht. Beide glaubten im Sinn der Patientin zu handeln. „Der Fall lief auf allen US-Fernsehkanälen. Es muss für die Angehörigen unerträglich gewesen sein“, sagte Wenker.
Dass eine Patientenverfügung nicht in Stein gemeißelt ist, sondern immer der aktuellen Situation des Patienten angepasst werden sollte, zeigte die Ärztin am Fall von Walter Jens. Der Literaturhistoriker und Schriftsteller setzte sich vehement für die aktive Sterbehilfe ein. „Er sagte immer: Wenn ich nicht mehr der Mensch bin, der ich jetzt bin, dann will ich nicht mehr leben“, berichtete Wenker.
Als die Demenzerkrankung von Walter Jens bereits fortgeschritten war, habe seine Frau Inge Jens einmal gesagt: „Er ist nicht mehr mein Mann. Er ist in einer ganz eigenen Welt, zu der ich wenig oder kaum Zugang habe. Was soll ich denn jetzt tun? Er hat Freude am Leben. Wenn ich das Essen auf den Tisch stelle, ist er der erste, der kommt und mit Begeisterung anfängt zu essen.“ „Diese aktuelle Freude am Leben ist immer entscheidender als ein früherer Wunsch nach aktiver Sterbehilfe“, so Wenker.
