OSNABRüCK - Zweimal bei diesem Parteitag wirkt Philipp Rösler etwas nervös: als die Stimmen für ihn ausgezählt werden und als er mit Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) telefoniert. Dabei ist die Wiederwahl Röslers zum Parteichef in der Stadthalle von Osnabrück der kleinere Aufreger.
Rösler und seine Frau Wiebke halten Händchen als das Parteitagspräsidium das Ergebnis verkündet. 242 Ja-Stimmen, ruft Tagungspräsident Jörg Bode in den mucksmäuschenstillen Saal. „Das sind 95 Prozent.“
Die Spannung bei Rösler weicht einem strahlenden Lächeln. 1,4 Prozentpunkte liegt er unter dem Ergebnis bei seiner ersten Wahl vor zwei Jahren. Aber der alte und neue Parteichef ist zufrieden. „Ein grandioses Ergebnis“, sagt er später.
Viel heikler ist das Gespräch mit Heister-Neumann. Rösler geht bei der Wahl seiner Stellvertreter vor dem Podium auf und ab, erklärt der Ministerin per Handy, warum die Liberalen ihr bei der umstrittenen Überstundenregelung für Lehrer die Gefolgschaft verweigern.
Heister-Neumann bleibt hart. Der Kabinettbeschluss sei auch von der FDP mitgetragen worden, verkündet sie am Nachmittag. Doch in der Stadthalle glaubt niemand, dass sie sich mit ihren Plänen für die Arbeitszeitkonten durchsetzen wird.
Das will keiner der Delegierten. Mit fast allen Stimmen wird der dringliche Antrag „Vertrauensschutz sichern“ beschlossen. Die FDP mutiert zur Lehrerpartei.
Rösler nimmt bei diesem Thema in seiner 50-Minuten-Rede kein Blatt vor den Mund. „Wenn unsere Lehrer im Vertrauen auf ihre Regierung Arbeitszeitkonten eingerichtet und aufgefüllt haben, muss eine Regierung ihrerseits zu dieser Abmachung stehen“, sagt der 35-Jährige entschlossen.
Der liberale Parteichef hat ausgerechnet durch den Patzer des Koalitionspartners CDU ein Thema gefunden, dass die Delegierten mitreißt. Am Ende der Rede stehen die meisten von ihren Stühlen auf, klatschen zwei Minuten frenetisch.
Wie sehr Rösler die Stimmung getroffen hat, wird erst später bei der Debatte über den Schulantrag deutlich. „Die Kultusministerin hat eine Sensibilität an den Tag gelegt, die mit einem Amboss zu vergleichen ist“, sagt der Landtagsabgeordnete Hans-Werner Schwarz. Peng, das sitzt.
Die FDP will mehr Lehrer einstellen, um die Unterrichtsversorgung nicht zu gefährden. Neue Stellen für so genannte Feuerwehrlehrer, die schnell einspringen können, sollen geschaffen und mehr „Praktiker“ in die Schulen gelotst werden: Biologen, Chemiker, Mathematiker.
Der Rest des Landesparteitages ist schnell erzählt: Carl-Ludwig Thiele und Hans-Heinrich Sander werden als Stellvertreter von Rösler bestätigt. Dritte im Bunde ist künftig Angelika Brunkhorst (Harpstedt), die mit 72 Prozent ein bescheidenes Ergebnis einfährt. Klaus Rickert (Oldenburg) bleibt Schatzmeister.
Rösler beschwört in seiner Rede die neuen Tugenden der FDP: Wissen, Toleranz, Solidarität. „Keiner bleibt zurück in einer liberalen Bürgergesellschaft“, sagt er. Manch einem klingt das zu sozialdemokratisch, die anderen applaudieren begeistert.
