OSTERHOLZ-SCHARMBECK - „Das ist für die FDP ja mal ein ungewöhnliches Ergebnis“, meint ein beeindruckter Liberaler, als Stefan Birkner über seine 96,1 Prozent strahlt. Der Parteichef hat die Delegierten in der Stadthalle von Osterholz-Scharmbeck überzeugt und ist jetzt auch Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Birkner will nicht nur Schwarz/Gelb fortsetzen, sondern peilt auch 300 000 Stimmen an. Umgerechnet wären das rund acht Prozent.

Die Listenaufstellung verläuft unspektakulär. Auf Platz vier wird Fraktionschef Christian Dürr (Ganderkesee) gewählt, der mit einer engagierten Rede am Sonntagmorgen wachrüttelt. „Ich bin so heiß auf den Wahlkampf, dass mir schon im T-Shirt warm wird“, ruft Dürr. Auf Platz sieben hat Herausforderer Stephan Bünting (Westerholt) keine Chance gegen den Landtagsabgeordneten Björn Försterling. Ab zehn beginnt das Hauen und Stechen. Der Favorit der Parteispitze, Horst Kortlang (Elsfleth), schafft Platz elf. Auf dreizehn setzt sich im Ostfriesen-Duell Hillgriet Eilers gegen den Abgeordneten Roland Riese (beide Emden) durch. Der Platz dürfte kaum für den Einzug in den Landtag reichen. Johannes Langfermann (Vechta) kommt auf 16.

Von einem Aufstand der Frauen ist in Osterholz die Rede. Doch er findet trotz allem Gegrummel hinter den Kulissen nicht statt. Unter den Top zehn bleibt es bei Platz drei und neun für weibliche Kandidaten.

Im Mittelpunkt der Parteitagsreden steht neben Griechenland-Kritik ausgerechnet Ministerpräsident David McAllister. Hinter vorgehaltener Hand feixen die Liberalen über die „Steilvorlage“ des CDU-Politikers. McAllister hat eine Koalition mit SPD oder Grünen nach der Wahl nicht ausgeschlossen. „Das hätte nicht besser für uns laufen können“, freuen sich viele Liberale im Saal. Offiziell bekommt der Regierungschef aber sein Fett weg. Wirtschaftsminister Jörg Bode rät dem Koalitionspartner, „nicht nach rechts, links oder grün zu wackeln“. Vizekanzler Philipp Rösler haut in die gleiche Kerbe. „Ich wundere mich über McAllister“, sagt er in seinem Grußwort. Es komme nicht darauf an, ob man mit anderen Parteien reden, sondern ob man mit ihnen gute Politik machen könne. Das sei mit Rot/Grün nicht möglich.

Birkner arbeitet sich lieber am politischen Gegner ab. Seine Rede ist nicht mitreißend, aber pointiert. „Die SPD will die Gymnasien von innen heraus zerstören“, ruft er den Delegierten zu. Dann sind die Grünen dran. Die seien gegen alles: Flughäfen, Bahnhöfe, Autobahnen, Brücken und Stromtrassen.

In der Programmdebatte muss Birkner eine überraschende Schlappe hinnehmen. Die Mehrheit der Delegierten lehnt die von ihm geforderte Grundgesetzänderung beim Ladenschluss ab. Der Parteichef, der für Einkaufen rund um die Uhr wirbt, wird vom Bundestagsabgeordneten Michael Goldmann gestoppt.