PARIS - Frankreich, im Frühjahr 2012: Die Sozialisten gewinnen die Präsidentenwahl und der ehemalige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird zum Außenminister ernannt eine solche Meldung aus dem Nachbarland wäre nach heutigem Ermessen in einem Dreivierteljahr durchaus denkbar. Er wäre nicht der erste Politiker, dem nach schweren Vorwürfen und Justizquerelen das Comeback gelingt. Der derzeitige Außenminister, Alain Juppé, hat sogar wegen illegaler Parteispenden eine Haftstrafe auf Bewährung hinter sich.
Manche seiner Anhänger meinen, Strauss-Kahn könnte von einer Art Märtyrerstatus profitieren. Sie sehen ihn als Opfer einer brutalen US-Justiz, die vor Vorverurteilungen nicht zurückschreckt. Seine Stimme wird Gewicht haben, er bleibt der erhoffte, aber verhinderte Kandidat, sagte einer seiner Vertrauten der Zeitung Le Parisien.
Das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo (33) beschuldigt den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds, sie am 14. Mai in einer Hotelsuite überfallen und gewaltsam zum Oralsex gezwungen zu haben. Die Anklage gegen Strauss-Kahn soll allerdings nach übereinstimmenden Medienberichten an diesem Dienstag offiziell zurückgezogen werden. Offenbar gibt es Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau.
Allerdings kommt auf Strauss-Kahn noch einiges zu, das seinen Ruf dauerhaft beschädigen könnte. Auch wenn es in der Zimmermädchen-Affäre zu keinem Strafverfahren kommen sollte, steht noch ein Zivilprozess an. Dort könnte er auch in Abwesenheit zu einer heftigen Geldstrafe verurteilt werden. Dank des Reichtums seiner Frau Anne Sinclair würde dies nicht unbedingt den finanziellen Ruin von Strauss-Kahn bedeuten.
Viele Franzosen blicken aber auch mit Spannung auf eine zweite Affäre, deren juristische Folgen Strauss-Kahn nach seiner Rückkehr erwarten. Sie könnte ihn selbst dann noch sein Comeback kosten, falls er in New York glimpflich davon kommen sollte. Die junge Schriftstellerin Tristane Banon hat Strauss-Kahn nach jahrelangem Zögern ebenfalls der versuchten Vergewaltigung beschuldigt. Falls die Richter befinden, dass es sich dabei lediglich um sexuelle Belästigung gehandelt habe, wäre die Tat bereits verjährt.
In der eigenen Partei dürfte es Strauss-Kahn auch im günstigsten Fall schwer haben, wieder die Anerkennung zu finden, die er einst genoss. Seine Anhänger haben sich etwa jeweils zur Hälfte auf die Lager der beiden anderen möglichen Präsidentschaftskandidaten aufgeteilt, Parteichefin Martine Aubry und Ex-Parteichef François Hollande.
