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Frankreich Zickenkrieg bei den Sozialisten

Ralf E. Krüger

PARIS - Noch sind Frankreichs Sozialisten im Siegestaumel, da trübt ausgerechnet die Première Dame die Freude. Partei-Ikone Ségolène Royal muss in ihrem Wahlkreis um das Mandat zittern. Während die Führung der Parti Socialiste (PS) ihr den Weg in die Nationalversammlung ebnen will, fällt ihr ausgerechnet Valérie Trierweiler in den Rücken. Sie unterstützt offen Royals Kontrahenten.

Pikante Situation

Das Pikante: Die eine ist die aktuelle Frau an der Seite von Präsident François Hollande, die andere die „Ex“. Die beiden Frauen mit dem starken Ego stürzen den Elysée nun in arge Verlegenheit.

Royal schnitt in der ersten Wahlrunde mit 32 Prozent in ihrem westfranzösischen Wahlkreis La Rochelle so schlecht ab, dass ihr kaum Chancen auf ein Mandat gegeben werden. Um in der zweiten Runde am Sonntag doch noch zu gewinnen, müsste der Linke Olivier Falorni seine Kandidatur aufgeben. Gerade mal drei Punkte trennen ihn von Royals 32 Prozent. Er gehört der PS aber nicht mehr an. Er bestreitet daher ihr Recht, ihn zum Rücktritt zu überreden, damit seine Stimmen Royal zugutekommen: „So was gab’s im Sowjetsystem, aber doch nicht im Frankreich des 21. Jahrhunderts.“

Hollandes Lebensgefährtin Valérie Trierweiler schrieb über ihr Twitter-Konto eine ermutigende Nachricht und bestätigte sie später ausdrücklich. Ségolène Royal, die einstige Spitzenkandidatin der Parti Socialiste (PS), die 2007 gegen Nicolas Sarkozy den Kürzeren zog, war perplex. Bei den Sozialisten drohte die Welt aus den Fugen zu geraten.

Am Morgen hatte Royal noch selbstbewusst in die TV-Kamera geschaut. Ob der Präsident sie unterstützt, wurde sie im Sender BFM gefragt. „Natürlich“, meinte sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Ob er sie kontaktiert habe? „François Hollande hat sehr klar gesagt, dass ich die einzige Kandidatin bin, die sich seiner Unterstützung erfreut.“ Das habe sie von ihm auch schriftlich.

Royal ist die Mutter der vier Kinder von Hollande, der mit seinem Einzug in den Elysée gerade das schaffte, was Royal stets erträumte. Elf Jahre waren beide ein Paar. Doch heute sind die Gemeinsamkeiten überschaubar.

Premiere vor Augen

Für Royal geht es ums politische Überleben – auch wenn sie im Interview tapfer erklärte, selbst bei einer Niederlage am Sonntag weiter in der Politik zu bleiben. Denn für ihre Partei könnte sie vom Hoffnungsträger zur Belastung werden. Dabei hatte sie schon eine Premiere vor Augen. Frankreichs erste Frau an der Spitze der Pariser Nationalversammlung – das ist ein Posten, der die 58-jährige Sozialistin auch öffentlich träumen ließ.

Parteichefin Martine Aubry tat Trierweilers Twitter-Botschaft am Dienstag mit der Bemerkung ab: „François Hollande unterstützt Ségolène Royal, das zählt!“

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