Bundespräsident Christian Wulff ist zwar – im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Sparkassenfunktionär Horst Köhler – kein Kind des Finanzsektors. Dennoch hat er am Donnerstag, ganz im Stile Köhlers, bemerkenswert deutlich Position bezogen zur Rolle der Banken in und nach der Finanzkrise. Konkret: Er hat ihnen die Leviten gelesen. Präsident Wulff (und Kanzlerin Merkel) ist es zu verdanken, dass bei der Bankentagung in Berlin Klartext gesprochen wurde. Nun sind in der Diskussion um das künftige Krisenmanagement einige unübersehbare Pflöcke eingeschlagen worden.

Vor allem: In künftigen Krisen sollen die Steuerzahler nicht noch einmal für die Banken in die Bresche springen. Das würde, wie Wulff deutlich aussprach, letztlich die Demokratie gefährden. Klar, der Bundespräsident bestimmt nicht die Politik. Aber Wulff sprach unüberhörbar aus, was viele denken: Viel zu schnell ist man im Finanzsektor offenbar wieder zur Tagesordnung übergegangen; schon wieder wird mancherorts in Chefetagen, Kreditabteilungen und Handelsräumen ein „großes Rad“ gedreht. Doch diesmal sollte den Beteiligten – und den Eigentümern – eben klar sein, dass es bei der nächsten Schieflage nicht mehr so einfach sein wird. Im Prinzip wurde bei der Bankentagung Konsens erzielt, dass in künftigen Turbulenzen auch Bankenpleiten möglich sein werden bzw. die Eigentümer und Gläubiger herangezogen werden – mit entsprechenden Verlusten. So ist es richtig. Anders wird das Thema in der Tat gesellschaftspolitisch untragbar.

Leicht vergessen wird allerdings jener Teil des Bankensektors, der schon bisher solide war und auch ungeschoren durch die Krise kam: Genossenschaften, Sparkassen und Regionalbanken. Sie haben von riskanten Geschäften im großen Stil die Finger gelassen. Und zusätzlich haben sie Sicherungssysteme aufgebaut (Institutssicherung im Verbund), mit denen auch eine schwierige Phase mit echten Schieflagen überstanden werden könnte.

Die soliden, dezentral operierenden Institute sollte man im Auge behalten, wenn nach schweren Auflagen für den Finanzsektor gerufen wird. Man belastet mit dem geforderten Sicherungsaufwand leicht die Falschen.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)