Es ist sicher keine Überraschung, dass die Grünen im jüngsten Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen nun auch bundesweit zum Höhenflug angesetzt haben. Nach ihren sensationellen Wahlerfolgen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz dürften die einstigen Ökos, die mehr und mehr zur dritten Volkspartei reifen, ein entscheidendes Wort bei der Regierungsbildung in Berlin mitreden wenn am Sonntag Wahlen wären. Es grünt so grün wie nie zuvor in der deutschen Innenpolitik.
Doch die Demoskopen haben darüber hinaus Unerwartetes erfahren. So würde eine Neuauflage der Großen Koalition aus Schwarz und Rot ebenso viele Anhänger finden wie ein rot-grünes Regierungsbündnis. Mehr als jeder Dritte wäre sogar mit einer Koalition von Union und Grünen einverstanden ein so noch nie gemessener hoher Grad an Zustimmung für eine Konstellation, die von der Bundeskanzlerin und Parteivorsitzenden noch vor wenigen Wochen als Hirngespinst abgetan worden war.
Lediglich eine Neuauflage der aktuellen Zweckgemeinschaft von CDU/CSU mit der FDP hätte beim Urnengang nicht den Hauch einer Chance: Nur jeder fünfte würde seine Stimme der einst als Wunschehe gefeierten aktuellen Paarung geben. Ein niederschmetterndes Ergebnis für die Bundesregierung. Selten zuvor war der Vertrauensentzug der Wähler so massiv, wie in diesen Tagen ermittelt.
Stimmungen sind noch keine Stimmen, wohl wahr. Doch damit ist der Meinungswandel in Deutschland mitnichten relativiert. Wenn 56 Prozent aller Bundesbürger über den ersten grünen Ministerpräsidenten erfreut sind, dann macht das deutlich, dass der Machtverlust der CDU in Baden-Württemberg nicht allein regionalen Besonderheiten geschuldet ist und ein Landeschef mit grünem Programm kein Einzelfall bleiben muss.
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister hat dies erkannt, wenn er den schnelleren Wechsel von der Atomenergie zur Windkraft fordert. Der schwere Fehler der Bundesregierung, den von Rot/Grün beschlossenen Atomkonsens ohne Not aufzukündigen, soll nicht zum politischen GAU für die bislang reibungslos arbeitende schwarz-gelbe Koalition in Hannover werden.
