PRAG - Sie sind die neuen Helden der Piratenbewegung: Nach ihren jüngsten Wahlerfolgen wird die deutsche Piratenpartei in Prag von politischen Freibeutern aus ganz Europa gefeiert. Doch neue Themen könnten die Urheberrechtskritiker vor eine Zerreißprobe stellen.

Für die deutschen Piraten gibt es in Prag einen Extra-Applaus. Die Bürogemeinschaft „Hub“ im Trendstadtteil Smíchov teilen sich werktags Kreative. Doch an diesem Wochenende berät hier eine bunt zusammengewürfelte Schar politischer Freibeuter. Vom Rastalocken-Träger bis zum Jurastudenten im Geschäftsanzug ist jede Facette vertreten. Der Jubel auf der Prager Tagung von Piratenparteien aus mehr als 25 Ländern gilt den deutschen Wahl- und Umfrageerfolgen: In Berlin und im Saarland zogen die Piraten in die Länderparlamente ein. Auf Bundesebene erreichen sie in Umfragen zwischen elf und 13 Prozent.

Rick Falkvinge, der Gründervater der Piratenbewegung, schlürft an der Bar eine Cola. Er ist zur Tagung des Dachverbands „Pirate Parties International“ nach Prag gekommen, um die Piraten auf höhere Ziele einzustimmen. „Wir haben gesehen, wie der Erfolg der Schweden in den Europawahlen 2009 den deutschen Piraten einen Schub gegeben hat“, sagt Falkvinge. Nun hätten die Berliner gezeigt, wie wichtig es sei, mit einem Vollprogramm in den Wahlkampf zu starten. Die Piraten sollten weltweit über die klassischen Säulen wie Datenschutz und Transparenz hinausgehen und sich neue Gesellschaftsthemen aneignen. „Wir müssen die Identitätspartei für die digitale Generation werden.“

Ob es gelingen wird, die vielen Piraten-Strömungen weltweit auf einer erkennbaren Linie zu halten, ist unklar. Delegierte sagen offen, dass eine „Zerreißprobe“ auf die Piraten zukomme. Zu unterschiedlich seien die Voraussetzungen, auch wenn das Kernthema Internetfreiheit identisch ist. Von einem Wahlcoup wie in Berlin könnten die Piraten in anderen Ländern nur träumen.

Im von der europäischen Schuldenkrise geschüttelten Griechenland sind die Piraten überhaupt erst seit Februar am Start. Viele deutsch-griechische Piraten seien in den Aufbau der neuen Partei involviert, berichtet der in Köln lebende Fotios Amanatides. Den Eindruck deutscher Dominanz möchte er auf jeden Fall vermeiden. „Ihr sagt, wie ihr es haben wollt, und ich sehe, wie ich helfen kann“, beschreibt er seine Gespräche in Griechenland.

Kaum gegründet, habe die neue Partei bereits mehr als 700 Anträge auf Mitgliedschaft entgegengenommen, so Amanatides. Ob er Angst vor einer Unterwanderung durch Kommunisten oder Anarchisten habe? Mit diesem Problem hätten alle Kleinparteien zu kämpfen, meint Amanatides.

Der Berliner Abgeordnete Fabio Reinhardt räumt nur ungern ein, dass es etwa in der Drogen- oder Energiepolitik durchaus nationale Differenzen gebe. So wolle er auf internationaler Ebene keine Debatte über den Atomausstieg anstoßen, erklärt der 31-Jährige. „Dafür sind wir viel zu pragmatisch eingestellt“, sagt der deutsche Pirat.